Satire : Up in the Air

Jason Reitman – der Mann, der den Vornamen eines berühmten Leinwandkillers trägt, hat mehr als nur das Talent seines Vaters geerbt. Ivan Reitman inszenierte Welterfolge wie „Ghostbusters“ oder Kindergarten Cop“, erreichte in seinen vergnüglichen Filmen aber nie die gesellschaftliche Relevanz, die das noch schmale Oeuvre seines Sprösslings bereits auszeichnet. „Überall wo ich hingucke, sehe ich eine Komödie, besonders dann, wenn es völlig unangemessen ist“, sagt Reitman Junior, und das beschreibt seine Herangehensweise an Filmstoffe recht genau. Oder wer sonst würde auf die Idee kommen, den Lobbyisten eines Tabakkonzerns zum Helden einer ätzenden Satire zu machen? Genau dies gelang dem in Montreal geborenen Reitman in „Thank You for Smoking“. Oder nehmen wir die Schwangerschaft einer 16-Jährigen. Reitman nahm diese persönliche Katastrophe und zauberte daraus – auch dank der genialen Vorlage Diablo Codys – die herrliche Komödie „Juno“.

Diesem Prinzip folgt nun auch „Up in the Air“: George Clooney spielt Ryan Bingham. Der ist nicht nur 322 Tage im Jahr im Flieger unterwegs, sondern hat auch einen ungewöhnlichen Job: Ryan wird von Firmen angeheuert, um im persönlichen Gespräch Mitarbeiter zu feuern. In diesen Zeiten ein absolut krisenfester Job, den der smarte Reisende souverän und professionell umsetzt. Privat hat Ryan fast alle sozialen Kontakte abgebrochen – Flugzeuge, Lobbys, Hotels, das ist sein Zuhause. Hier wird er geschätzt und wiedererkannt, hier schleppt er keinen emotionalen Ballast mit sich herum und hofft, der siebte Mensch mit zehn Millionen Flugmeilen zu werden.
Kompliziert wird Ryans so schön schwebendes Dasein, als zum einen Natalie, eine aufstrebende junge Kollegin, auf die Idee kommt, die Entlassungsgespräche nur noch per Internet zu führen – jede Menge Reisekosten könnten eingespart werden. Zum anderen wird Ryan zur Hochzeit seiner jüngeren Schwester eingeladen – stimmt, er hat ja eine Familie. Dann tritt zudem die adrette Alex in Ryans Leben, die ideale Frau: Sie will keine feste Bindung, sondern etwas Sex und gute Gespräche, wenn man sich irgendwo in den USA begegnet. Während Ryan mit Natalie umherjettet, um sie in das Geschäft der Entlassungen einzuführen, kommen Zweifel, ob sein Lebenskonzept das Gelbe vom Ei ist. Nach einem sehenswerten Vorspann – darauf legt Jason Reitman großen Wert, siehe „Thank You for Smoking“ und „Juno“ – tauchen wir ein in einen der cleversten Filme der letzten Jahre.
Geleitet von George Clooneys wohliger Stimme breitet der Film die Welt eines Mannes vor uns aus, wie sie zynischer kaum sein kann. Clooney avanciert mit seiner Vorstellung zum Oscar-Favoriten, ihm gelingt das Kunststück, dass wir dieses Emotionswrack namens Ryan Bingham irgendwie doch mögen. Auch das ein Prinzip der Reitman-Jr.-Filme: Mögen die Hauptfiguren auch noch so suspekt sein, der Regisseur opfert sie niemals auf dem Altar der Schadenfreude. Stattdessen bettet der Philantrop seine Figuren in eine knallharte und sogar menschenfeindliche Umgebung ein. So, und jetzt sieh mal, wie du zurechtkommst! Das Ergebnis ist nicht nur gespickt mit ätzender Gesellschaftskritik, sondern klug, unterhaltsam und sehr, sehr komisch. Kino auf der Höhe der Zeit.  

USA 2009, 109 min, R: Jason Reitman, D: George
Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick, Jason Bateman, Kinostart: 4.2.,

zitty:
  • Currently 0/5 Stars
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Leser:
  • Currently 0/5 Stars
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5

Ihr Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.