Schwedenkrimifortsetzung : Verdammnis

Es ist ein kluger Schachzug, den zweiten Teil der „Millenium“-Trilogie recht schnell nach dem ersten in die Kinos zu bringen. So fängt man ohne Reibungsverluste eine gewisse Rest-Aufmerksamkeit ein und fügt der Wertschöpfungskette um den Stieg-Larsson-Hype ein paar leicht verdiente Euro hinzu. Doch naturgemäß fällt der zweite Teil eines Triptychons immer wie ein Zwitter aus, er ist eine Übergangserzählung, eine Geschichte ohne klaren Anfang, ohne stimmigen Schluss – und da macht auch „Verdammnis“ keine Ausnahme.
Wir befinden uns anfangs in einem Traum, der bereits im ersten Teil „Verblendung“ aufflackerte. Die bisexuelle Hobby-Detektivin Lisbeth Salander ist darin ein junges Mädchen, das einen Mann unvermittelt mit Benzin übergießt und ihn schließlich anzündet. Ein Traum, der zum Trauma führte, wie wir etwa 100 Minuten später erfahren. In den ersten Minuten des Films aber ist er nur eine böse Kindheitserinnerung, die Salander wach hält, und von der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist nichts ahnt. Er recherchiert mit dem ehrgeizigen jungen Kollegen Dag Svensson an einer brisanten Story: Hochrangige Beamte sollen jahrelang russische Prostituierte missbraucht haben. Dann geschieht das Unfassbare: Dag und seine Frau werden kaltblütig ermordet, an der Tatwaffe finden sich ausgerechnet die Fingerabdrücke von Lisbeth Salander.
Daraus spinnt Regisseur Daniel Alfredson die klassische Einer-gegen-Alle-Fabel: Blomkvist gegen die Polizei, gegen einen unsichtbaren Gegner im Behördensystem und gegen die Zeit. Lisbeth Salander bleibt untergetaucht, so entgeht sie der landesweiten Fahndung und kann in den Tiefen des Internets frei recherchieren – natürlich um ihre Unschuld zu beweisen. Glücklicherweise entschlackt der Film viele Nebenstränge, die das Buch auf wahnsinnige 750 Seiten aufgebläht haben. Aber bei aller routinierten Spannung merkt man der Umsetzung die Adaption für das Fernsehformat an – für das er ursprünglich verfilmt wurde. Es gibt kein atemberaubendes Bild, das einen Adrenalin-Kick verursacht, keine umwerfende Totale, keine visuelle Außergewöhnlichkeit. Wenn wir von dem Film überhaupt etwas lernen, dann wie grau, unwirtlich und deprimierend Schweden im Herbst sein kann – und dass Zwitter eine gewisse Unzufriedenheit hinterlassen.  

„Flickan som lekte med elden“, S/DK 2009, 129 min, R: Daniel Alfredson, D: Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Kinostart: 4.2.

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