Flüchtlingsdrama : Welcome

Der Anfang von „Welcome“ erinnert an Michael Winterbottoms Berlinale-Gewinner „In This World“ von 2003. Fast dokumentarisch schildert der Film, wie der 17-jährige kurdische Flüchtling Bilal nach dreimonatiger Flucht in Calais ankommt, wie er versucht, mit Schleppern über den Kanal zu kommen und an den Kontrollen scheitert. Der Skandal sind für Regisseur Philippe Lioret aber nicht die Grenzkontrollen in England, sondern die Zustände in Frankreich: In Calais hausen die Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Zuständen, während Franzosen, die ihnen Hilfe und Solidarität anbieten, vom Gesetz verfolgt werden.
Die 32 Kilometer Ärmelkanal scheinen für Bilal unüberwindbar. Dann entdeckt er das lokale Schwimmbad und beschließt, über den Kanal zu schwimmen. Hier wandelt sich die Sozialstudie zum feinfühlig inszenierten Drama. Bilal lernt den Schwimmtrainer Simon  kennen.  Vorsichtig verwebt Lioret die Geschichte des Franzosen Simon und des Kurden Bilal mit den dokumentarisch anmutenden Szenen zu einem eindrucksvollen Ganzen. Möglicherweise etwas zu vorsichtig. So geht der aufklärerische Drive des Anfangs in der Story verloren, während die Fiktion kein echtes Eigenleben entfalten darf. Dennoch: sehenswert. 

F 2009, 116 min, R: Philippe Lioret, D: Vincent Lindon, Firat Ayverdi, Audrey Dana, Kinostart: 4.2. 

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