- Artikel
- 27.09.2006
-




Kino - Rezension: The Science of Sleep - Anleitung zum Träumen
Eigentlich hat Stéphane (Gael García Bernal) Mexiko den Rücken gekehrt, um den sanften Einstieg in den Ernst des Lebens zu vollziehen. Nach dem Tod des Vaters bezieht er bei seiner Mutter in Paris sein altes Kinderzimmer und tritt eine Stelle als Grafiker bei einer Kalender-Firma an. Schnell macht sich jedoch Frustration breit. Mama ist stets bei ihrem neuen Freund, die Firma hat ihn nicht als Designer, sondern als Setzer eingestellt, und sein verkümmertes Französisch untergräbt alle Bemühungen, sozialen Anschluss zu finden. Einziges Refugium: die Welt der Träume. Dort wird Stéphane zum Moderator seiner eigenen TV-Show, in der er als eloquentes Multitalent brilliert. Erst die Begegnung mit Stéphanie (Charlotte Gainsbourg) offeriert einen Ausweg aus der Alltags-Tristesse – und erschüttert die Grenzen von Fantasie und Realität.
Bereits in Vergiss mein nicht! hat Musikvideo-Papst Michel Gondry gezeigt, dass seine mitunter krude-turbulenten visuellen Konzepte auch im Rahmen einer komplexen filmischen Erzählung zu beeindrucken wissen. Mit The Science of Sleep legt der Franzose seinen mit Abstand persönlichsten Film vor. Zum einen, weil Gondry nach zwei Vorlagen von Hollywoods Drehbuchstar Charlie Kaufman erstmals einen komplett selbst entwickelten Stoff verfilmt hat. Zum anderen, weil der Verzicht auf Computer-Animationen und die Rückkehr zur Stop-Motion-Tricktechnik die aus den Video-Arbeiten für Björk, Radiohead oder The White Stripes bekannte Handschrift erkennbar werden lassen. So erscheinen Stéphane und Stéphanies gemeinsame Basteleien mitunter als Einführungskurs in die Gondry-Ästhetik.
Dennoch ist der Film alles andere als eine bloße selbstreflexive Nabelschau. Geschickt lässt Gondry die Grenzen von Traum und Realität unscharf werden, wird mit fortschreitender Geschichte immer eindeutiger, ohne die Handlung ins Willkürliche kippen zu lassen. So kreiert er einen emotionalen Ausdruck, der in seiner Wirkung letztlich die repräsentative Harmonie von den üblichen Happy Ends weit hinter sich lässt. Nur Träumen ist schöner. Jan-Hendrik Bakels
F 2005, 105 Min., Regie: Michel Gondry, Darsteller: Gael García Bernal, Charlotte Gainsbourg, Alain Chabat, Kinostart: 28.9.
zittyplus: In dem Haus, in dem Stéphane und Stéphanie im Film wohnen, hat Michel Gondry einst selbst gelebt. Damals ging er seinem letzten Job außerhalb der Filmbranche nach – als Kalender-Designer.
Navigation
-
Cannes 2010 »
Junge Kritik zu den Festspielen -
zitty live »
Alle zitty-Veranstaltungen auf einen Blick -
Berlinale 2010 »
Alle Infos zu den Berliner Filmfestspielen -
Bühne »
Bühne, Bühnensuche, Kritiken, Kinderbühnen -
Kunst »
Kunstsuche, Kritiken, Interviews -
Literatur »
Lesungen, Zerreißungen -
Kinder »
Kinderfilme, Kindermusik -
Kino »
alle Filme, alle Kinos, alle Rezensionen -
Musik »
Tickets, neue Konzerte, letzte Konzerte, Album-Releases
zitty Suche
Login
zitty auf dem iPhone
die zitty-App
Alle 14 Tage zum Download im iTunes-Store: Alle Termine und Rezensionen der aktuellen zitty zum Mitnehmen. Immer und überall wissen, was läuft. Mit Karten- und Umkreissuche. Bis auf weiteres kostenlos im App-Store: zum App-StoreGeld verdienen mit zitty!
Nebenjob gesucht?
Jeder kennt sie: die zitty Straßenverkäufer. Sie sind überall unterwegs in Berlin. Immer dienstags, alle 14 Tage. Sie gehören mittlerweile zum Hauptstadtbild: ob zu Fuß oder per Fahrrad, ob nachmittags im Biergarten oder abends in der Kneipe.Der zitty-Straßenverkauf ist ein idealer Nebenjob für Studenten und jeden, der Spaß am Verkaufen hat und alle 14 Tage einen kleinen Nebenverdienst brauchen kann.
Sie sind interessiert? Dann schicken Sie uns Ihre Kurzbewerbung per mail.
Raus aus der Stadt!
Ausflugstipps im Umland
Wer bei diesem Wetter keine Lust hat, zuhause zu bleiben, dem empfehlen wir neben unserem zitty Brandenburg auch unsere Brandenburg Ausflugstipps!Umfrage
Wählen Sie ihr Lieblingsfeindbild
Wer ist Ihr Lieblingsfeind? Wir wollen es wissen.Wegen der großen Nachfrage wieder aktiv!
Hier finden Sie den Artikel zur Abstimmung!

Ihr Kommentar
Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.