Kino - Rezension: The Science of Sleep - Anleitung zum Träumen

Foto: Prokino
Jan-Hendrik Bakels
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Eigentlich hat Stéphane (Gael García Bernal) Mexiko den Rücken gekehrt, um den sanften Einstieg in den Ernst des Lebens zu vollziehen. Nach dem Tod des Vaters bezieht er bei seiner Mutter in Paris sein altes Kinderzimmer und tritt eine Stelle als Grafiker bei einer Kalender-Firma an. Schnell macht sich jedoch Frustration breit. Mama ist stets bei ihrem neuen Freund, die Firma hat ihn nicht als Designer, sondern als Setzer eingestellt, und sein verkümmertes Französisch untergräbt alle Bemühungen, sozialen Anschluss zu finden. Einziges Refugium: die Welt der Träume. Dort wird Stéphane zum Moderator seiner eigenen TV-Show, in der er als eloquentes Multitalent brilliert. Erst die Begegnung mit Stéphanie (Charlotte Gainsbourg) offeriert einen Ausweg aus der Alltags-Tristesse – und erschüttert die Grenzen von Fantasie und Realität.

Bereits in Vergiss mein nicht! hat Musikvideo-Papst Michel Gondry gezeigt, dass seine mitunter krude-turbulenten visuellen Konzepte auch im Rahmen einer komplexen filmischen Erzählung zu beeindrucken wissen. Mit The Science of Sleep legt der Franzose seinen mit Abstand persönlichsten Film vor. Zum einen, weil Gondry nach zwei Vorlagen von Hollywoods Drehbuchstar Charlie Kaufman erstmals einen komplett selbst entwickelten Stoff verfilmt hat. Zum anderen, weil der Verzicht auf Computer-Animationen und die Rückkehr zur Stop-Motion-Tricktechnik die aus den Video-Arbeiten für Björk, Radiohead oder The White Stripes bekannte Handschrift erkennbar werden lassen. So erscheinen Stéphane und Stéphanies gemeinsame Basteleien mitunter als Einführungskurs in die Gondry-Ästhetik.

Dennoch ist der Film alles andere als eine bloße selbstreflexive Nabelschau. Geschickt lässt Gondry die Grenzen von Traum und Realität unscharf werden, wird mit fortschreitender Geschichte immer eindeutiger, ohne die Handlung ins Willkürliche kippen zu lassen. So kreiert er einen emotionalen Ausdruck, der in seiner Wirkung letztlich die repräsentative Harmonie von den üblichen Happy Ends weit hinter sich lässt. Nur Träumen ist schöner. Jan-Hendrik Bakels

F 2005, 105 Min., Regie: Michel Gondry, Darsteller: Gael García Bernal, Charlotte Gainsbourg, Alain Chabat, Kinostart: 28.9.

zittyplus: In dem Haus, in dem Stéphane und Stéphanie im Film wohnen, hat Michel Gondry einst selbst gelebt. Damals ging er seinem letzten Job außerhalb der Filmbranche nach – als Kalender-Designer.


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