Kino - Rezension: Wholetrain

Foto: Movienet
Stephanie Grimm
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Kreativer Wettstreit ist von jeher ein zentrales Moment der HipHop-Kultur. Das gilt im Rap ebenso wie im Breakdance. In der Graffiti-Kunst dürfen sogar nicht nur Eingeweihte, sondern die ganze Öffentlichkeit die Ergebnisse dieses Wettbewerbs bestaunen. Der eigenen Crew kann man in der Szene nämlich die Krone aufsetzen, indem man einen Zug von vorne bis hinten besprüht: ein „Wholetrain“. Kein Wunder, dass der selbst Graffiti-sozialisierte Regisseur Florian Gaag sein Filmdebüt nach der Königsdisziplin des Sprayens betitelt hat. Die Rivalität zwischen den Gruppen und die damit einhergehende Leidenschaft – die das ganze Leben prägt und nicht nur die nächtlichen Ausflüge in Bahndepots – ist das Thema dieses stimmig in Szene gesetzten Film.

David, Tino und Elyas sind nicht nur dicke Kumpel, sondern auch eine Graffiti-Crew. Alle schleppen ihr eigenes Päckchen Probleme herum. Tino ist mit seinen familiären Pflichten heillos überfordert; sein Freund David muss dem wohlmeinenden Bewährungshelfer guten Willen vorgaukeln, um nicht im Knast zu landen. Die prekären Verhältnisse seiner Kumpels können Achim, einen Jungen aus gutbürgerlichem Haus, nicht schrecken. Er will dazugehören. Die Chance, sich zu beweisen, bekommt er, als eine rivalisierende Sprayergruppe auftaucht und David, Tino und Elyas an ihrer Writer-Ehre packt.

Der Film zeigt die radikale Leidenschaft, die man aufbringen muss, will man sein Standing als Sprayer verteidigen. Dass die Paranoia dabei zum ständigen Wegbegleiter werden, kehrt der Film trotz seines sympathisierenden Blickes nicht unter den Teppich – er wackelt aber auch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Die subjektive Ansatz sorgt dafür, dass es kaum stört, wenn am dramatischen Höhepunkt nicht nur literweise Farbe versprüht, sondern auch dramaturgisch dick aufgetragen wird. Zur Leidenschaft gehört schließlich auch Pathos. Dass der Regisseur in der Szene verwurzelt ist, belegt auch der Soundtrack. Die Beats hat Gaag selbst gebastelt, als MC konnte er HipHop-Größen von KRS-One und Afu-Ra gewinnen. Ein authentischer, mühelos dahinfließender Einblick in eine Subkultur. Stephanie Grimm

D 2006, 82 Min., Regie: Florian Gaag, Darsteller: Mike Adler, Florian Renner, Elyas M'Barek, Kinostart 5.10.

zittyplus: Gedreht wurde dieser Film teilweise in Warschau. Die Bundesbahn wollte auf keinen Fall kooperieren – wohl um keine Werbung dafür zu machen, wie beeindruckend so ein bemalter Zug aussehen kann.


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