Kino - Rezension: Glück in kleinen Dosen

Die grauenvolle Leere, die hinter properen Vorstadtfassaden lauern kann, ist im amerikanischen Film hinreichend behandelt worden. Regisseur Arie Posin fügt dem nichts Neues hinzu, Spaß macht seine launisch anmutende Groteske trotzdem. Das liegt an der hervorragenden Besetzung und daran, dass ihm der Spagat zwischen satirischer Zuspitzung und Pathos gelingt. Nicht nur, weil dieses Debüt zwischen allen Genre-Stühlen sitzt, erinnert es an Donnie Darko, noch so ein Vorstadt-Teenagerdrama der anderen Art.

Selbst dass einige Handlungsstränge unausgegoren wirken – etwa das Motiv um ein Computerspiel namens Chumscrubber (so der englische Titel) – mag man dem Film nachsehen. Tempo und Dramaturgie stimmen.

Dean Stiffle ist ein Eigenbrötler. Als sich sein einziger Freund, der Schul-Dealer Troy, umbringt, muss Dean nicht nur den Verlust verdauen, sondern sich mit der Clique rumschlagen, die an Troys Pillenvorräte will. Und jene verwöhnten Gören wirken vielschichtiger als die Erwachsenen der Geschichte. Die sind bloße Karikaturen ihrer selbst, ohne Unterlass mit der Perfektionierung ihres Lebens beschäftigt und eifrig dabei, diverse Lügen zuzukleistern. Der Film hat den Charme eines Teenagers, der gekommen ist, um sich zu beschweren. Stephanie Grimm

The Chumscrubber, USA 2005, 102 Min., Regie: Arie Posin, Darsteller: Jamie Bell, Glenn Close, Kinostart. 5.10.

zittyplus: Regisseur Arie Posin wurde vom väterlichen Freund Billy Wilder an die Filmschule empfohlen.


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