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- 30.09.2008
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Kunst-Kritik: Dorothy Iannone in der Galerie September
Körper wie Puppen mit deutlich sichtbaren Genitalien und in eindeutigen Positionen. Der erigierte Penis des Mannes im Mund der vor ihm knieenden Frau. Eine Frau mit gespreizten Beinen und ein Mann mit seinem Kopf zwischen ihren Schenkeln. Cunnilingus, Fellatio, Analverkehr und Sadomasochismus sind hier Ausdrucksformen einer bedingungslosen Liebe, die Dorothy Iannone in ihren Bildern, Objekten und Texten seit mehr als 40 Jahren wie in einer Hymne zelebriert. Die Galerie September zeigt jetzt unter dem Titel „Follow Me“ eine Auswahl von Installationen, Mischtechniken und Drucken der 1933 in Boston geborenen Künstlerin.
Iannone, die seit Mitte der 70er Jahre in Berlin lebt, begann als Malerin im Stil des Abstrakten Expressionismus, in den sich allmählich figurative Darstellungen schlichen. 1967, während einer Reise mit ihrem Ehemann, lernte sie in Island den Künstler und Schriftsteller Dieter Roth kennen – und eine der intensivsten Liebesgeschichten in der Kunst nahm ihren Lauf. Iannone verließ ihren Mann für Roth. Expressiv und obsessiv huldigt sie dieser Liebe, die trotz getrennter Lebenswege in hinreißenden Briefen und Mail Art, Kunst per Post, bis zum Tod von Roth 1998 währte. Das Paar verband über seine Liebe hinaus eine Idee von Wahrhaftigkeit, dank deren das Leben tabulos in die Kunst einfließt. Ihre Kunst lässt sich durchweg authentisch nennen: Ihr ornamentreicher Bildkosmos ist von Iannones langjähriger Orientierung am tibetanischen Buddhismus beeinflusst. Zudem überträgt die Künstlerin ihre Ansichten und Erfahrungen auf die Leinwand und ihre „Boxes“ mit integrierten Monitoren, die ihr Gesicht beim Deklamieren von Texten, Singen ihrer Lieder oder beim Masturbieren zeigen.
Wegen ihrer deutlichen Bildsprache musste Iannone immer wieder Erfahrungen mit Zensur machen, die sie ebenfalls in ihre Bildgeschichten integrierte und öffentlich machte. Stets hat sie sich Versuchen verweigert, sie und ihre Kunst, die Sexualität unverklemmt und selbstbewusst thematisiert, dem Feminismus zuzuordnen. Die Ausstellung in der Galerie September vereint nun vorwiegend Werke aus den 70er und 80er Jahren, die das Œuvre beispielhaft repräsentieren und in denen die Künstlerin ihre Erfahrungen mit der Liebe verarbeitet. Darunter findet sich auch das Triptychon „Follow Me“ mit einem längeren Text von Dorothy Iannone mit ihrem Credo von Liebe, Vertrauen und Hingabe.
Bis 25.10.: Galerie September,
Charlottenstr. 1, Kreuzberg, Di-Fr 11-19 Uhr,
www.september-berlin.com
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Dorothy Iannone in der Galerie September
Kunst-Kritik
Cunnilingus, Fellatio und Analverkehr. Werke aus den 70ern und 80ern, die diese Themen verkörpern, finden in der Ausstellung "Follow me" ihren Platz.weiterlesen

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