Kunst_Kritik: Das Tagebuch der polnischen Frau

Dass es gemalte, gezeichnete und filmische „Tagebücher“ von Hausfrauen, Müttern, Ernährerinnen und Töchtern sind, leistet einem Bild Vorschub, das in der westlichen Kunstkritik ohnehin besteht: Osteuropäische Künstlerinnen würden sich auf das Private konzentrieren und keine große Lust haben auf offene Gesellschaftskritik. Die Künstlerinnen zwischen 25 und 50, die Kuratorin Magda Ujma ausgewählt hat, kommentieren stereotype Rollenbilder mit Ironie, auch die testosteronschwangeren Bilder der Popkultur. So zeigt sich Elzbieta Jablonska als Superwoman, Batwoman und Spiderwoman in der Küche oder im Wohnzimmer sitzend, den kleinen Sohn auf dem Schoß. Der Zwiespalt ist leicht abzulesen: Die Künstlerin, stark wie Superman und doch gefangen am Ort der Reproduktion, die (über-)qualifizierte Heldin der häuslichen Sphäre. Mit diesem Konflikt haben Frauen überall in Europa zu kämpfen, vielleicht in Polen noch stärker als anderswo, weil sich die Männer mehr aus Haushalt und Kindererziehung heraushalten als in Prenzlauer Berg.
Basia Bandas Aquarellfiguren auf zartem rosa Grund tragen Borsten auf dem Rücken und aufgeklebtes Echthaar als Pimmel, sie haben die Geschlechtergrenzen und den Zwang zum Sexysein definitiv überwunden. Jede Frau kann wie ein Mann sein und umgekehrt. Agata Nowickas Comics mit Schwangeren hauen in eine ähnliche Kerbe, wenn auch ganz soft. Die Illustratorin erzählt von Großstadtfrauen mit Babybauch und den zugehörigen Bald-Papis, die genauso unsicher sind wie die Mamis. Die 1966 geborene Videokünstlerin Anna Baumgart hingegen thematisiert die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Die Skulptur „Ich habe es von meiner Mutter“ zeigt zwei märchenhafte Frauen in Brautkleidern. Es sind die Künstlerin selbst und ihre Mutter – und der Betrachter ahnt: nervige Rollenbilder überleben nicht nur dank männlichen Starrsinns.  

Bis 24.10.: Polnisches Institut, Burgstr.  27, Mitte, Di-Fr 10-18 Uhr, www.polnischekultur.de


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