Kultur_Bericht: Und immer auf dem Sprung

Foto: Burkhard Lange
Daniel Völzke
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Der neue Anstrich ist der radikalste Wandel, den es in diesem Jahr vor dem Großereignis zu vermelden gibt. Dem „Art Forum“, 1996 gegründet, geht es gut, es hat sich längst etabliert. Die größte deutsche Konkurrenzmesse, die Kölner „Art Cologne“, wurde vom Herbst ins Frühjahr verlegt, da kommt man sich nicht mehr in die Quere. Erneut haben sich in Berlin so viele Galerien beworben wie nie zuvor, 136 aus 23 Ländern werden teilnehmen. Mehr als die Hälfte der Aussteller kommt aus dem Ausland, vor allem aus den USA, Frankreich und Skandinavien – ein gutes Zeichen für das Vertrauen in Berlin als Ort für Gegenwartskunst.

Während zur Messe ein Dutzend Galerien, Dependancen internationaler Größen und Projekträume zeitgleich eröffnen, sind einige Berliner Gründungen wie die 2006 eröffnete Galerie COMA bereits auf dem „Art Forum“ angekommen. Die erfolgreiche Produzentengalerie Amerika wird vor ihrer geplanten Auflösung zum ersten Mal einen Stand belegen. Doch wie in den letzten Jahren gilt: Die Überraschungen, das Aufstrebende und Waghalsige, das Prekäre und auch das Zuviel an Kunst findet man eher auf den drei Satellitenmessen „Preview“, „Berliner Liste“ und „Berliner Kunstsalon“, die mit jeweils rund 60 Galerien ein kontrastreiches Nebenprogramm anbieten.

„Ich freue mich besonders auf die osteuropäischen Galerien. Berlin ist nach wie vor der richtige Ort für Ost-West-Begegnungen“, sagt Wolfram Völcker, der zum vierten Mal die „Berliner Liste“ organisiert und diesmal einen Schwerpunkt auf polnische und lettische Teilnehmer legt. Auch Edmund Piper sieht sich als Pionier: „Hip ist out“, sagt er. Gemeinsam mit Eiko Sabela organisiert er die ebenfalls vierte Ausgabe des „Berliner Kunstsalons“. Die beiden haben unglaubliche 12.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in mehreren ehemaligen BVG-Werkhallen in Wedding gemietet. Haben 50 Tonnen Holz verbraucht, vier Meter hohe Wände gebaut, riesige Kojen. Entlang regelrechter Alleen geht es durch die Depots und durch Spritzkabinen, in denen früher Busse lackiert wurden.

Bereits die neuen Räume lohnen den Besuch der Messen. Die „Berliner Liste“ zieht vom Umspannwerk in Prenzlauer Berg in den ehemaligen Postgüterbahnhof am Potsdamer Platz. Die „Preview“, die dritte der Satellitenmessen, wechselt von der Backfabrik in einen Hangar auf dem Flugplatz Berlin Tempelhof (siehe Seite 50). „Architektur als Wunschvorstelltung“ rückt das „Art Forum“ in seiner Sonderschau „House Trip“ in den Mittelpunkt. Für die Ausstellung, die Ami Barak, Leiter des Kunstdepartments der Stadt Paris, kuratiert, wird in den Hallen am Messedamm ein großes, temporäres Haus errichtet. Und wenn Künstler wie RothStauffenberg, Markus Sixay oder Saâdane Afif die Inneneinrichtung übernehmen, sollte man dort unbedingt mal vorstellig werden.


„Art Forum“: 29.9-3.10.
„Berliner Liste“: 30.9. -3.10.
„Berliner Kunstsalon“: 28.9.-2.10.
„Preview Berlin“: 29.9.-1.10.


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