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- 24.09.2007
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Kunst_Porträt: Wie Kunst Ressourcen schont
Es ist ihr erster Auftritt auf einer Kunstmesse, und es soll gleich ein ganz großer werden. Folke Köbberling und Martin Kaltwasser wollen auf dem Berliner „Art Forum“ den Stand der Galerie Anselm Dreher in eine begehbare Installation aus Bauabfällen verwandeln – komplett mit Tresen und Kundenbereich für den Galeristen aus Berlin-Charlottenburg, der das Berliner Künstlerduo seit diesem Jahr vertritt. Für die geplante Arbeit haben Köbberling und Kaltwasser auf dem Messegelände kostenloses Baumaterial gesammelt: Span- und Tischlerplatten, orange lackiertes Tropenholz, sieben Pritschenwagen voll, und doch nur ein Bruchteil der Müllberge, die die Aussteller der Internationalen Funkausstellung (IFA) Anfang September hinterlassen haben. Die Firmen zerstören ihre Stände nach Messeschluss und werfen die Baustoffe fort, weil Lagerung, Instandsetzung und Wiederaufbau sie viel teuerer kämen, als im nächsten Jahr neues Material zu kaufen.
Recycling und Vorschläge für einen sparsameren Umgang mit Ressourcen sind typisch für die Arbeiten der studierten Malerin und des Architekten, die seit 1998 zusammenarbeiten. Ihre temporären Bauten finden sich oft auf öffentlichem Straßen- und Grünland, wie das elegant minimalistische Musterhaus aus Holz und Kunststofffenstern im Münsterland oder in Berlin eine Bushaltestelle aus Spanplatten, die auch als Zettelwand diente. Jedesmal erbitten sie von örtlichen Bauherren und -firmen gebrauchtes Material. Und erhalten es auch, würde seine Entsorgung die Unternehmen doch Geld kosten.
Die Balken, Platten, Leisten, Türen hat das Duo meist selbst gestemmt. Doch „oft geht es ohne Mitarbeiter nicht mehr“, sagt Martin Kaltwasser. So wie in diesem Jahr, in dem ein Stipendium des Kunstfonds den Eltern zweier Kinder hohen Output und viele Ausstellungsbeteiligungen ermöglicht. Dann müssen freie Mitarbeiter anpacken. Ihnen zahlt das Duo meist zehn bis zwölf Euro pro Stunde, in München waren es 18 Euro. Als sie einmal in Berlin 15 Euro anboten, konnten sie sich vor Helfern kaum retten – „da waren wir aber auch plötzlich pleite“, sagt Folke Köbbering. Unbezahlte Praktika wollen die beiden nicht anbieten.
Wenn sie ihre Arbeiten abgebaut haben, stapeln Köbberling und Kaltwasser einen Teil der Baulemente neben ihrem Atelier in einem Keller, der 1.200 Euro im Jahr kostet. Anderes geben sie kostenlos weiter, informieren Freunde und Bekannte via Email und Telefon oder spenden es „Kunst-Stoffe“, einem Berliner Tauschzentrum für wieder verwendbare Werkstoffe. So bleibt das Material im Produktionskreislauf.
Bisher haben sich Köbberling und Kaltwasser vor allem an öffentlich geförderten Projekten beteiligt. Nach ihrem Entrée auf dem privaten Kunstmarkt wollen sie nun nicht anders arbeiten als zuvor – Skulpturales, das sich auch für Innenräume und den Verkauf eignet, haben beide bereits in ihrem Solowerk geschaffen. Doch eines wird sich bestimmt ändern: der Kreislauf ihres Materials. Sollte sich für die Arbeit auf dem „Art Forum“ nicht gleich ein Käufer finden, wird das Duo die Elemente wohl nicht sofort weiter verwerten können. Vielleicht findet der Galerist ja später einen Interessenten. Solang werden Folke Köbberling und Martin Kaltwasser ihre Installation zwischenlagern. In einer Garage am Stadtrand oder im Umland, für die dann eine weitere Miete fällig wird.
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