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- 17.08.2009
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Pulsmesser: Neues von der Berliner Kunst
Während des bundesweiten Bildungsstreiks im Juni, der sich gegen Unterfinanzierung der Hochschulen und schlechte Studienbedingungen wandte, besetzten in Berlin Studierende die Amtsstube des Präsidenten der Freien Universität. „Zuviel negative Energie“, findet die Berliner Künstlerin Christin Lahr, die die Kritik der Protestierenden ansonsten teilt. Die an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst tätige Professorin für Medienkunst plädiert für Positives: „Macht Geschenke“ lautet ihr Aufruf.
Lahr setzte sich mit Wertesystemen auseinander und experimentiert unter anderem mit Geschenken. Die Künstlerin überweist seit einem halben Jahr täglich per Online-Banking einen Cent auf das Zentralkonto des Bundesfinanzministeriums. Das Feld „Verwendungszweck“ füllt sie mit Minipassagen aus Marx’ „Das Kapital“. „Das kommunikative, demokratische und kreative Potenzial einer Überweisung ist bislang noch völlig unterschätzt“, sagt Lahr. „Das Kapital“ komplett zu überweisen, würde rund 42 Jahre in Anspruch nehmen.
Lahr hat sich indes schon Neues vorgenommen. Sie will auch das Bildungsministerium mit Mikrospenden von einem Cent beglücken. Ihre Überweisungen sind freundlicherweise für die Hochschule bestimmt, an der sie arbeitet, und zwar mit dem Verwendungszweck „Mehr Geld für Bildung HGB Leipzig/ Honorare“. Durchlaufspenden müssen laut Gesetz für genau den Zweck verwendet werden, für den sie gegeben wurden. Das bedeutet jede Menge Verwaltungsaufwand, Bilanzen, die aus dem Gleichgewicht geraten und irgendjemand nachrechnen muss, dadaistische Verwendungszweck-Prosa, die sich jahrzehntelang auf Kontoauszügen einschreibt. Diesen Energieaustausch mit Institutionen können sich auch Studenten leisten. Kleine Spenden erhalten die Freundschaft. Oder wer sagt, dass Studiengebühren am Stück überwiesen werden müssen? Birgit Rieger
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