Pulsmesser: Neues von der Berliner Kunst


Paul MacCarthy Foto: Roman März, Berlin
Franziska Klün kommentieren

Künstlerkult und Sammlerlob: Das waren die Schlagworte für die Nationalgalerie in der Ära von Peter-Klaus Schuster, ihrem Direktor und Generaldirektor der Staatlichen Museen bis Ende 2008. Jetzt leitet Udo Kittelmann das Haus und der blasse Michael Eissenhauer die 19 Staatlichen Museen. Letzterer ist seit seiner Absage eines baldigen Umzugs der Gemäldegalerie an die Museumsinsel und der Erweiterung der Nationalgalerie am Kulturforum etwas bekannter. Kittelmann aber muss nun die Raumnot der Neuen Nationalgalerie lösen, die nicht genug Platz hat, ihre Sammlung des 20. Jahrhunderts zu zeigen.

Und was darf man sonst von ihm erwarten? Vor allem Zeitgenossenschaft. Auch wenn sein Einstieg mit Thomas Demands Werkschau „Nationalgalerie“ wenig originell wirkt, möchte man sie doch gerne als Zeichen dafür nehmen, dass er die Neue Nationalgalerie und den Hamburger Bahnhof als eine produktive Plattform für Gegenwartskunst etabliert. Das kann ihm nur im Konzert mit internationalen Institutionen und den Kunstvereinen, Museen und Galerien der Stadt gelingen. Erste programmatische Töne sind bereits zu vernehmen. Der Hamburger Bahnhof zeigt im Westflügel Berliner Fluxus und Beuys aus den Beständen der Sammlung Marx und der Nationalgalerie zusammen. Mit Verdichtung, Reibung und Wechsel der Gefühle wird auch in der zentralen Halle gespielt, wo Kittelmann mit Gipsbüsten und Totenmasken neben Andy Warhol, Anselm Kiefer,Cy Twombly, Isa Genzken und Paul McCarthy (Foto) keine Provokation scheut. Aus der kontroversen Präsentation spricht eine Leidenschaft für die Kunst, der zuzutrauen ist, dass sie auch die Sammler für eine gemeinsame Sache begeistern kann. Muss Udo Kittelmann also nur noch Raum dafür schaffen. Davon aber hat Berlin eine Menge zu bieten.  Max Glauner


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