Projekträume: Krise ist eigentlich immer

Es knarzte und quietschte. Schnell rutschten die Filzstifte über eine Wand des Projektraums arttransponder und verwandelten sie in einen Plan. Tatjana Fell, Carsten Horn und Kerstin Karge vom Ausstellungsort arttransponder hatten zu einem Workshop über die Zukunft Berliner Projekträume geladen. Unter dem Titel „Chances of Crisis – Bewegungen aus einem instabilen Feld“ berichteten am 27. und 28. August Referenten über Internetforen und Tauschringe, und Vertreter Berliner Projekträume stellten ihre Orte vor. Auch Ingrid Wagner, Koordinatorin für Projekte und Stipendien der Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten, war gekommen und bildete bald den Mittelpunkt der Diskussion.

„Nachdem wir mitbekommen haben, dass immer mehr Räume schließen mussten, wollten wir etwas unternehmen“, sagte Tatjana Fell von arttransponder. „Etwa 40 solcher Orte gibt es in Berlin, allerdings weiß jeder wenig über die anderen“. Projekträume bieten Künstlern Gelegenheit, ihre Ideen ohne Verkaufsdruck oder Einmischung eines Galeristen zu verwirklichen. Viel Idealismus und Zeit gehören dazu, einen solchen Ort zu betreiben: In der Regel bleiben Organisatoren oder Künstler  auf den Rechnungen sitzen. Und so galt es auch zu diskutieren, wie sich die Krise auf Projekträume auswirkt und wie man gemeinsam weitermachen könnte.
„Krise herrscht in Berlin ja eigentlich immer“, sagte Jonas Möhring von 123comics, einem Zusammenschluss von vier Comiczeichnern. „Aber jetzt spricht man einfach häufiger über die eigene krisenhafte Existenz.“ Davon, dass eine Krise auch neue Möglichkeiten schafft, wusste Matthias Einhoff vom Skulpturenpark Berlin_Zentrum zu berichten: „Unser Ausstellungsgelände befindet sich auf einer Brachfläche. Das Grundstück gehört acht Eigentümern, die verschiedene Pläne hegen. Zurzeit sind die alle auf Eis gelegt. Solange die Krise anhält, ist der Skulpturenpark sicher.“

Oft zeigen Projekträume Arbeiten, die im Prozess sind, kein geschlossenes Werk eines Künstlers. Das erschwere den Zugang zu öffentlicher Förderung, klagte Fell.  „Wir können nur handeln, wenn Sie auf uns zukommen“, entgegnete Ingrid Wagner. Ihr Vorschlag, einen Jour fixe in ihrer Behörde einzurichten, fand begeisterte Aufnahme. Christian de Lutz von Art Laboratory wies zudem auf eine Gepflogenheit in seiner Heimatstadt hin: „In New York ist es normal, dass man für Projekträume spendet, sei es nach einem Besuch oder am Ende des Jahres. Egal, ob 15 oder 500 Dollar: Jeder gibt, soviel er kann“. In Berlin habe er mit diesem Vorschlag bisher nur Spott geerntet.

Auch wenn der Workshop mit diesem Vorwurf endete, blieb, was die Filzstifte an der Wand festgehalten hatten: Die Teilnehmer wollen eine gemeinsame Internetplattform für Projekträume einrichten und sich regelmäßig in der Senatskanzlei treffen. Vor allem können die Akteure nun auch einmal gemeinsam in die Zukunft blicken. Das Knarzen und Quietschen hat gerade erst begonnen.   Konstantin Lannert


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