Private Kunstförderung: Alles auf Anfang

Foto: Christoph Eckelt
Johannes Wendland
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Jetzt sollen es die Künstler richten. Im zweiten und letzten Jahr ihres Bestehens wird die Temporäre Kunsthalle auf dem Schloßplatz Gruppenausstellungen zeigen, die Künstler kuratieren. Es sind internationale, in Berlin tätige Menschen, die, so das Kalkül, ihre Netzwerke anzapfen werden. Das kann sehr interessant werden, das ist in relativ kurzer Zeit zu realisieren – und kostengünstig. Hoffentlich gab Letzteres nicht den Ausschlag für den Strategiewechsel.

Der Entscheidung, die das Team Anfang September bekannt gegeben hat, sind jede Menge Pleiten, Pech und Pannen vorangegangen. Die vor einem Jahr mit großen Plänen gestartete Halle auf historischem und zentralem Grund hat in zwölf Monaten ganze vier künstlische Positionen präsentiert, verantwortet jeweils von einem Mitglied des künstlerischen Beirats, der längst das Handtuch geworfen hat. 70.000 zahlende Besucher kamen in die ersten drei Ausstellungen, rund 40.000 Besucher haben soeben die Schau von Allora & Calzadilla gesehen – kostenfrei, denn wegen des lahmen Publikumsverkehrs war der Eintritt im Frühsommer gestrichen worden. Ursprünglich hatte man für das erste Jahr mindestens 150.000 Besucher erhofft.

Was lehrt uns die Misere? Zu viele Köche waren am Werk – die beiden Gründerinnen Coco Kühn und Constanze Kleiner, der Mäzen Dieter Rosenkranz, vier Leiter von Kunsthäusern in Berlin, Kiel, Düsseldorf und Wien im Beirat, die kuratorische Managerin Angela Rosenberg, dann der später gerufene (und inzwischen gegangene) Geschäftsführer Thomas Eller. Dazu kamen die Erwartungen des Stadtmarketings, die  auf den Kunstboom setzten, und nicht zuletzt die kulturpolitische Hoffnung, dass hier temporär eingeübt werde, was später einmal eine dauerhafte Kunsthalle werden könnte. Die vier Soloausstellungen konnten angesichts dieser Umzingelung durch die Interessen nur verblassen.

Ende Juni, so muss man aus den Aussagen von Rosenberg schließen, stand die Halle auf der Kippe. Mit dem neuen, auf das Marketing konzentrierten Geschäftsführer Benjamin Anders und der jetzt allein für das kuratorische Management verantwortlichen Angela Rosenberg soll nun ein Neuanfang gewagt werden. Sozusagen aus dem Stand, denn es gab keine Ausstellungsplanung für das zweite Jahr. Ein „Kickstart“, wie Rosenberg sagt. Was dabei herauskommt, wird vom 25. September an die Gruppenschau „Scorpio’s Garden“ zeigen, die die in Berlin lebende, dänische Künstlerin Kirstine Roepstorff kuratiert. Sie holt für die erste Ausstellung, die sie arrangiert, mit Monica Bonvicini, Elmgreen & Dragset, Isa Genzken oder Amelie von Wulffen genau die Künstler in die Temporäre Kunsthalle, die Berlin als Produktionsstandort für zeitgenössische Kunst weltberühmt gemacht haben.
Man kann sich wirklich darüber ärgern, dass dies im ersten Jahr trotz der beeindruckenden Manpower der Kunsthalle nicht gelungen ist. Aber man kann auch weitere Lehren daraus ziehen. Etwa für die Debatte über eine dauerhafte Kunsthalle, die Klaus Wowereit immer noch für 30 Millionen Euro am Hauptbahnhof aus dem Boden stampfen möchte. Eine Lehre wäre vielleicht: Eine neue Institution in einer teuren Hülle, die die Erwartungen hoch schießen ließe, ist der falsche Weg. Es geht schneller, flexibler und, ja, auch billiger. Berlin hält dafür jede Menge Orte bereit.

Der Wandel, der in der Temporären Kunsthalle einziehen soll, zeigt sich übrigens schon von außen. Statt der blauen Digitalwolke von Gerwald Rockenschaub prangt nun ein Wiedergänger, leicht verzerrt in Schwarzweiß, an den Fassaden des Kunstcontainers am Schloßplatz: Der Palast der Republik ist wieder da. Wenn auch als „Echo“, wie die Künstlerin Bettina Pousttchi ihre Fotoinstallation nennt. Man wird darüber diskutieren in Berlin, vielleicht auch streiten. Gut so.

 


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