Kritik: Ein Kiosk für alle


Kunstbibliothek SMB Foto: Christoph Keller
Ronald Berg
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Der Kiosk findet sich im Saal. Aber er ist kein Zeitungsladen, sondern eine Ausstellung von Zeitschriften und Büchern, und der Saal ist eigentlich eine Bibliothek. Denn kaufen kann man die rund 6.000 Titel, die derzeit in der Kunstbibliothek zu sehen sind, nicht. Doch anfassen und lesen ist erlaubt. Das gilt nicht nur für die rund 4.000 Exponate, die in der Ausstellungshalle der Bibliothek in einem riesigen Regal stehen, auch die 2.000 anderen Publikationen in den Vitrinen lassen sich nach Ende der Ausstellung ganz normal in den Lesesaal der Kunstbibliothek bestellen. Denn das seltsame, im Jahr 2000 von dem Verleger Christoph Keller initiierte Projekt, die Büchersammlung „Kiosk“, findet seine endgültige Heimat in der Bibliothek am Kulturforum. Von einem ungewöhnlichen, reisenden Schauarchiv des „independent publishing“ in Sachen Kunst wird es zum Bibliotheksbestand mit der Sondersignatur „Kiosk“.

Keller hat seine gesammelten Zeitschriften, Bücher  und Tonträger der Kunstbibliothek verkauft. Fast ein Jahrzehnt war das Archiv auf Reisen, 27 Stationen in Museen, Kunstvereinen und Biennalen hat es hinter sich. Das war genug, wie Keller meint, zumal langsam eine neue Generation von Künstlern, Verlegern und Grafikern heranwächst. Ursprünglich beruhte die Idee zu „Kiosk“ auf den persönlichen Kontakten, die Keller zuerst als Kunststudent, später als Verleger in der Kunstwelt knüpfte. Ende der 90er Jahre gründete er in Frankfurt am Main den Revolver-Verlag als ein „Archiv für aktuelle Kunst“. Bis 2005 führte er den Verlag. Obwohl über 500 Kataloge, Monografien und Künstlerbücher (bei denen der Künstler von den Abbildungen bis zur Papierwahl alles selbst macht) erschienen, ließ sich hier die geradezu explosionsartige Vermehrung der Printmedien im Kunstbetrieb nicht darstellen. „Kiosk“ war die Antwort: Das temporär für Publizität sorgende Archiv stand grundsätzlich offen für alle, die daran teilnehmen wollten. Eine Auswahl hat Keller nicht getroffen, unter den rund 450 Projektpartnern finden sich bekannte Künstlernamen genauso wie kleine Fanzines. So bildet die Sammlung nun beredt die künstlerische Praxis der letzten Dekade ab. Denn Kataloge und vermehrt auch eigene Bücher sind inzwischen fester Bestandteil der künstlerischen Arbeit geworden.           Ronald Berg

Bis 28.2.2010: „Kiosk“. Kunstbibliothek, Matthäikirchplatz, Tiergarten,
Di-So 10-18, Do 10-22 Uhr,
www.smb.museum.de


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