Neueröffnung: Das Galeriehaus Koch, Oberhuber und Wolff

Foto: Tina Schulz, Courtesy KOCH OBERHUBER WOLFF and the artist
Birgit Rieger
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Viele Berliner Galerien haben sich zu schicken Verkaufsplätzen entwickelt. Das neue Galeriehaus von Alexander Koch, Nikolaus Oberhuber und Jocelyn Wolff, das am 5. September eröffnete, soll ein anderes Segment bedienen. Kurator Koch, der Wiener Galerist Oberhuber und der Pariser Galerist Wolff haben in der Brunnenstraße einen Hybrid aus kommerzieller Galerie und Kunsthaus errichtet für Kunst mit gesellschaftlich relevanten Themen. Hier soll die Vermittlung im Vordergrund stehen, fast wie in einem Kunstverein, nur, dass die Kunst bei KOW auch verkauft wird. „Wo und wie hätten wir unsere Projekte sonst machen können?“, fragt Alexander Koch. Die Drei setzen auf Diskurs und haben nichts dem Zufall überlassen. Sogar das Haus, das der Berliner Architekt Arno Brandlhuber entwarf, atmet den Geist der Partizipation. So besteht eine komplette Wand im Erdgeschoss aus einer riesigen Flügeltür zum Bürgersteig. Wird sie geöffnet, verschmelzen Galerie und öffentlicher Raum.

KOW startet mit der dreiteiligen Ausstellung „Antirepresentationalism“, die Kunst der Nachwendezeit zeigt. Sie stellt rund 30 Positionen aus Leipzig vor, jedoch nicht von jenen Malern, von denen man ständig hört, sondern von Konzeptkünstlern und Gesellschaftskritikern, im ersten Ausstellungsteil etwa von Ramon Haze, Tina Schulz, Peggy Buth und Arthur Zalewski. Ihre Arbeiten setzen sich damit auseinander, wie Geschichte fest geschrieben wird. Die Ausstellung verknüpft die Beiträge mit der politischen Philosophie Richard Rortys, der behauptete, dass es in der Philosophie nicht um Erkenntnis, sondern um Solidarität gehe, und die Gesellschaft Empathie brauche. Auf die Kunst bei KOW übertragen bedeutet das: Geschichte schreiben alle. An der Realität wirken alle mit. Kunst schafft Realität. Das reicht für eine anregende Diskussion.
 Birgit Rieger

Bis 10.10.: „Teil I: Politics of Redescription“, KOW, Brunnenstr. 9, Mitte,
Mi-Sa 12-18, So 12-16 Uhr,
www.kow-berlin.com


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