PULSMESSER: 11. Istanbul-Biennale

Foto: C. Rahaju
Claudia Wahjudi
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Die 11. Istanbul-Biennale hatte sich in Berlin gleichsam maßstabsgetreu angekündigt: mit der Ausstellung „Red Threat“ im Projektraum Tanas, einer Art Visitenkarte mit Arbeiten, die so ähnlich nun in den drei Istanbuler Spielorten stehen und hängen. Auch weitere Beiträge waren hierzulande bereits zu sehen, etwa von Jesse Jones, Nevin Aladag, Artur Zmijewski, Marwan, Aydan Murtezaoglu & Bülent Sangar. Doch in Istanbul wirken sie noch einmal ganz neu.

Denn das vierköpfige Kuratorinnenkollektiv aus Zagreb, das sich „What, How & for Whom“ nennt, schlägt mit der Biennale am Bosporus eine breite Brücke zwischen Europa und dem Nahen Osten, dem nicht nur geografisch die Regionen südlich von Sarajevo näher sind als die westlich von Brüssel. Und das Motto „Denn wovon lebt der Mensch?“, das die Vier Bertolt Brecht entlehnt haben, gibt der Ausstellung tatsächlich Form und Ziel. Äußerst sparsam mit Material experimentieren rund 70 Künstler mit einem Vokabular aus Pop, Theater, Plakatkunst, Alltagskultur und Dokumentarfilm. Mit ihm verhandeln sie, worum es im Leben nun einmal geht: Arbeit, Geld und Sex, Krieg und Frieden, Frauen, Männer, Gerechtigkeit, Kinder, Gefangenschaft und sinnentleerte Freiheit, Essen, Trinken, Ziele und Perspektivverlust, Glück und falsch verstandene Liebe, Feste, Armut, Empathie und Tod.

Das wirkt manchmal angestrengt agitatorisch, meist jedoch gibt es einnehmend zu denken auf und lässt hoffen, weil sich hier und da tatsächlich Wege für gesellschaftliches Handeln andeuten. Und weil Lachen befreit, sogar in Irland, wie Zmijewski zeigt, wo polnische Wanderarbeiterinnen eigentlich vor Heimweh fluchen. Mehr als die form- und farbverliebte, üppiger ausgestattete Biennale von Venedig 2009 wird die von Istanbul zum Maßstab für die „Berlin Biennale“ im nächsten Jahr.      Claudia Wahjudi

Bis 18.11.: Istanbul, www.iksv.org


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