BERICHT: Aus der harten Schule

Foto: Fotos: C. Rahaju ; Meret Oppenheim: „Tätowiertes Porträt“, 1980, Fotogravur nach Foto/ Foto: Heinz Günter Mebusch
Birgit Rieger
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Krise? Da kommt nur ein Schulterzucken. Von 420 im letzten Jahr stieg die Zahl der Galerien auf 440, meldet der Landesverband der Berliner Galerien. Und die Stimmung? Ist gut, das Höher-Schneller-Weiter von 2008 jedoch beendet.

Zur Wiedereröffnung der Galerie Klara Wallner nach ihrem Umzug ans Tempelhofer Ufer in Kreuzberg stiegen die Gäste fröhlich in den unspektakulären vierten Stock eines Altbaus, um die Fantasy-Comic-Gemälde von Sebastiaan Schlicher zu sehen. Das Hamburger Kunsthaus Levy eröffnete eine Dependance im Galeriehaus an der Kreuzberger Rudi-Dutschke-Straße mit einer hanseatisch-steifen Feier sowie Assemblagen von Daniel Spoerri und Arbeiten von Meret Oppenheim. Und die Johnen Galerie, die 2009 ihren Kölner Stammsitz endgültig aufgegeben hat, zieht vom kleinen, freakigen Kiosk hinter dem Alexanderplatz in ein Haus in der Marienstraße, gebaut vom Architekten Oswald M. Ungers. „Wir sind jetzt 25 Jahre am Markt, es wird Zeit für ein etabliertes Umfeld“, sagt Manuel Miseur von der Galerie.

Da ist eine spießige Prise Hochkultur, eine lustvoll zelebrierte Inhaltlichkeit wahrzunehmen. Keine halbtrockenen Leinwände mehr. Im Nebel der globalen Wirtschaftskatastrophe gönnen sich die Berliner Galerien kuratierte Ausstellungen – ob in der Galerie Tammen, bei KOW in der Brunnenstraße oder bei den Kunstagenten in Mitte, wo Shaheen Merali, ehemals Leiter der krisengeschüttelten indischen Galerie Bodhi, die Räume mit ausgesprochen politischen Positionen aus Afghanistan und dem Iran bespielt. „Das Geschäft läuft gut, wenn man kontinuierlich Qualität zeigt“, sagt Andreas Wiesner von den Kunstagenten.

Sammler sehnen sich offensichtlich nach bleibenden Werten, nicht wenigen hat man in den letzten Jahren überteuerte Kunstwerke angedreht, auf denen sie dann sitzen blieben. Zeitlose Kunst scheint gefragt, die Standorte aber kommen und gehen, wie immer schon in Berlin. Nach 30 Jahren am Lützowplatz in Tiergarten macht die Traditionsgalerie Eva Poll mit arrivierten Zeichnern und Bildhauern wie Volker Stelzmann, Maxim Kantor oder Joachim Schmettau den Sprung an den Garnisonkirchplatz hinter der Museumsinsel. Im selben Haus eröffnet die italienische Galleria Nove, die auf Klassische Moderne spezialisiert ist. Die Zimmerstraße am Checkpoint Charlie, einst Niemandsland, wimmelt jetzt von Touristen. Arndt & Partner zieht es deshalb in die Halle am Wasser nahe des Hauptbahnhofs, Klosterfelde flüchtet in die Potsdamer Straße, Max Hetzler konzentriert sich auf seine Räume in Wedding und nimmt endlich wieder an der Berliner Kunstmesse „Art Forum“ teil.

„Früher waren wir gezwungen, die Märkte auf aller Welt zu sondieren und zu erobern, inzwischen hat sich Berlin als Handelsplatz durchgesetzt und man kann sich auf die Arbeit von hier aus konzentrieren“, sagt Matthias Arndt, der nun als etabliertester Player in der Halle am Wasser vielleicht interessierte Sammler auch in die jüngeren Galerie dort zieht, zu Christian Hosp oder Jarmuschek und Partner. „In Berlin war es doch nie einfach“, sagt Kristian Jarmuschek, Mitbegründer der Halle am Wasser. „Jetzt läuft es zwar etwas langsamer, aber es läuft.“ Improvisationstalent war in dieser Stadt schon immer gefragt. Die harte Schule kommt den Galerien jetzt zugute. Und wohl auch der Kunst.   Birgit Rieger


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