Kunst_Pulsmesser: Artnews.org

Viele Kunstseiten im Netz decken nur einen Teil der nötigen Informationen ab, sind entweder Terminkalender oder Künstlerlexikon, versammeln entweder Preise oder Theorien. Selten gibt es alles zusammen. Diese Lücke versucht artnews.org zu schließen. Auf der 2003 gegründeten Website aus Berlin haben zunächst ausgewählte Künstler und Galeristen Werke und Ausstellungstermine selbstständig und kostenlos eingestellt. So entwickelte sich ein respektabler Pool von Kunstinfos ohne Schnickschnack, vor allem ohne Werbung. Seit Neuem können auf der Plattform auch Kritiker und Kuratoren, die ein Login beantragt haben, Interviews, Kritiken, Essays oder Projekte veröffentlichen.
Noch fehlt es diesem Teil etwas an Fleisch,  und noch haben die von den Schreibern eingestellten Texte nichts mit den Terminen auf der Seite zu tun. Doch es geht bereits weiter: Bald sollen auf artnews.org auch Kunstsammler ihre Sammlung mit Foto und Text präsentieren. Kaum zu glauben, dass das funktioniert. Sammler lassen sich nicht gern über die Schulter schauen. „Es gibt so viele Kunstwerke, die irgendwo im Depot einer Sammlung lagern“, sagt jedoch der Künstler Vlado Velkov, der Gründer von artnews.org. „Das möchten wir ändern und sie wieder dem Publikum zeigen.“ Velkov hofft, dass Kuratoren auf den Seiten unbekannte Arbeiten entdecken und sie für Ausstellungen anfordern.
Größere Öffentlichkeit, größere Wertschöpfung, das kann ein Nebeneffekt sein. Doch Vlado Velkov geht es mit seinem von der Daimler Art Collection unterstützten Projekt nicht um Geld, sondern um Struktur im globalen Kunstchaos. Auch wenn Teile der Website wie „Texte“ oder „Bücher“ momentan noch spärlich bestückt sind und es teils an der Verlinkung zwischen Künstlern, Ausstellungen und Autoren hapert, bietet artnews.org doch einen frischen Einblick ins aktuelle Kunstgeschehen. Dass man fündig werden kann, beweist die aktuelle Ausstellung „The New World“ im realen Projektraum Artnews Projects in der Brunnenstraße. Vlado Velkov zeigt dort großartige, weil witzige und poetische Arbeiten unter anderem des deutsch-iranischen Fotografen Timo Nasseri und des Aktionskünstlers Ariel Orozco aus Mexiko. Letzteren entdeckte er – na wo? – im Internet.

www.artnews.org

 


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