Musik - Interview: Immer noch ein Beast of Bourbon

Tex Perkins ist ein Urgestein der australischen Rock-Szene: berühmt wurde er mit den Pubrockern Beasts Of Bourbon, erfolgreich mit Cruel Sea. Nach einigen Soloplatten macht er jetzt gemeinsame Sache mit Tim Rogers (You Am I). Bevor sie auf Tour gehen, ruft zitty einen ungemein plauderhaften Perkins in seinem australischen Landhaus an.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Tim Rogers?

Ich kenne Tim, seit wir Anfang der 90er mit unseren Bands gemeinsam tourten. Im letzten Jahr begannen wir, häufiger miteinander abzuhängen. Da beschlossen wir, das Ganze auf die Bühne zu bringen und uns dafür bezahlen zu lassen. Wissen Sie, wir betrinken uns gerne, und wenn wir das bei einem Auftritt tun, müssen wir nicht für den Alkohol aufkommen!

Das Thema Alkohol scheint Ihnen nach wie vor wichtig zu sein. Wie lässt sich das mit Ihrem Alter vereinbaren?

Was soll ich sagen: Acht Wochen auf Tour sein, wie damals mit Beasts Of Bourbon, geht heute nicht mehr. Das bedeutet definitiv zu viele Kater für mein Alter. Trotzdem haben wir noch unseren Spaß, nur nicht mehr so ausufernd und regelmäßig. Wir machen das eine Zeit lang und gehen dann nach Hause, um uns auszukurieren. Abgesehen von diesen ganzen Albernheiten sind Tim und ich sehr gute Freunde.

Was genau verbindet Sie?

Natürlich haben wir ähnliche Erfahrungen mit unseren Bands gemacht, etwa in Australien sehr erfolgreich zu sein, und dann nicht mehr (lacht). Sagen wir einmal so: In unseren Karrieren geht es um die Ausdauer, nach wie vor Musik zu machen.
Was treibt Sie an, nach all den Jahren?
Musik – ich bin ein Musiker, ich mache Musik, und ich liebe es. Ich bin stolz darauf, Musiker zu sein. Es gab Momente, da dachte ich, das sei wertlos, es habe keine Substanz. Aber das habe ich überwunden. Musik ist etwas sehr Wichtiges. Dieser Glaube und diese Liebe treiben mich voran.

Es gibt Gerüchte, dass Sie wieder mit Beasts Of Bourbon spielen…

Vor drei Wochen haben wir ein neues Album aufgenommen. Unser erstes in neun Jahren! Wir haben immer mal wieder gespielt, fanden aber keine Zeit, neues Material zu schreiben. Auf Dauer war das frustrierend, also buchten wir kurzerhand ein Studio für drei Tage, und alles fügte sich. Wir wussten nicht genau, was dabei herauskommen würde, aber plötzlich ging alles sehr schnell. Und ich weiß, dass das jeder sagt – aber ich meine es ernst: Diese Aufnahmen könnten das Beste sein, was wir jemals gemacht haben.

Sind Sie alle älter und weiser geworden?

Ich bin mir sicher, dass wir älter geworden sind, aber das mit der Weisheit, dafür lege ich nicht die Hand ins Feuer. Die Typen sind immer noch so, wie sie waren, sie haben nun mal ihre Dämonen. Und ich bin reicher an Erfahrungen, das bedeutet aber noch lange nicht, dass ich dazu gelernt habe. Meine Altersgenossen und ich, wir scheinen heute noch dasselbe zu tun wie vor 15 Jahren. Dinge, die man gemeinhin als gefährlich einstufen würde, und von denen man meinen sollte, dass wir sie in unserem Alter bleiben lassen sollten: Rock&Roll und seine Fallen.

Haben Sie jemals mit dem Gedanken gespielt, Australien zu verlassen?

Ja, schon. Doch ich lebe an einem solch schönen Ort, dass ich mir heute nichts anderes mehr vorstellen kann. Ich wohne auf dem Land, oben, auf einem Hügel. Ich habe eine fantastische Aussicht, meine Kinder sind glücklich hier, wir haben einige Hunde und ein Pferd.

Sie klingen richtig glücklich...

Nun ja, das bin ich wohl auch. Ich denke, ich bin glücklich, vielleicht auch zufrieden, aber nicht so sehr, dass ich alles so lassen will, wie es ist. Ich befinde mich immer noch auf einer Reise. Ich denke, ich habe gerade mal die Hälfte meines Weges zurückgelegt. Und darüber bin ich glücklich!

Konzert: Tex Perkins & Tim Rogers, 10.8.,
21 Uhr, Mudd Club (Karten 12,50 Euro)



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