Popkomm: Flop im Pop


Grund allen Übels: Computer killed Musikbusiness Foto: Boffy B.
Ulf Lippitz
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Am 19. Juni stand es offiziell fest. Die Popkomm wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Der Bundesverband der Musikindustrie sah sich gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. „Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch“, begründete der Vorstandsvorsitzende Dieter Gorny den Schritt. Zu viele illegale Downloads beschneiden die Finanzen der Plattenfirmen und verhindern so die Teilnahme an der Popkomm. Der Computer mitsamt Datenautobahn hat die Popmusik in die Knie gezwungen.


Hat sich damit der Pop-Standort Berlin überlebt? Natürlich nicht. Die Popkomm agierte in der Stadt wie ein Satellit der hiesigen Musikszene, sie kreiste um sie herum, ohne sich zu integrieren. Zwar war Berlin als Standort wegen der vielfältigen Musikproduktion attraktiv, aber die Szene zu ausufernd, um sie in einer Struktur wie der Messe aufzufangen. Am ursprünglichen Standort Köln ragte die Popkomm wie ein Monolith heraus, in Berlin wurde sie eine von vielen Großveranstaltungen. Vor allem blieben nach dem Umzug 2003 die Stars fern. Früher kamen Robbie Williams oder Faithless, um neue Platten vorzustellen. In den vergangenen Jahren blieb es bei nationalen Zugpferden. Die Strahlkraft schien auf ein Flackern heruntergedimmt.


Und zudem wirkte die „weltgrößte Musikmesse“ (Eigenwerbung) wie der weltgrößte Budenzauber. Dagegen setzte im vergangenen Jahr Patrick Wagner, Gründer des Indie-Labels Louisville, ein Zeichen. Er initiierte die „Fuck You All“-Party – und schimpfte die Popkomm eine „Turnhalle voller Arbeitsloser, die so tun, als würden sie Business machen“. Wagner glaubt an eine Messe, auf der internationale Branchenvertreter Geschäfte machen – so wie das auf der Popkomm vor 2002 noch geschah. Nur in den vergangenen Jahren haben die Manager ihre „Ideen selbst nicht mehr ernst genommen“, so Wagner, und den Untergang beschleunigt.


„Weder die Stadt noch die Branche braucht in der heutigen Situation eine Messe als Selbstdarstellung von Labels“, sagt Musikmanager Tim Renner. Was man hingegen benötigt: eine Plattform zur Kommunikation, einen „dezentralen Marktplatz für neue Konzepte“, so der Gründer von Motor. Dafür hat er sich mit anderen Musikfreunden zusammen getan und die „All Together Now“ ins Leben gerufen. Am ursprünglichen Messetermin zwischen dem 16. und 18. September treffen sich Branchenvertreter, um über neue Formen zu diskutieren – insbesondere neue Verwertungsmechanismen im Internet. Die Botschaft lautet: Wir können auch anders. Ob angesichts solcher Rührigkeit die Popkomm 2010 noch eine Chance erhält? Vielleicht wenn das Internet abgeschaltet wird.


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