Goa-Festival: Ein irrer Duft von frischem Stroh

Foto: Antaris Projekt
Katja Hanke
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Der Sommer beginnt für Marko Mitte Juli. Ab dann wird er allerdings beinahe jedes Wochenende auf dem Land verbringen – auf einem der zahlreichen Goa-Festivals. Goa oder auch Psytrance, das ist Musik, die von warmen, erdigen Beats getragen ist, über die beschwingte bis kitschige Melodien plätschern – und eine vertraute Offenheit erzeugen soll wie einst in den Hippie-Gemeinschaften von Goa.


Auch wenn die Musik seit Jahren als Breitenphänomen ausgedient hat, existiert weiterhin eine kleine, aktive Szene. Sie trifft sich im Sommer auf Festivals wie der Antaris Projekt am zweiten Juliwochenende – für Marko die erste große Outdoor-Party der Saison. Seit Monaten freut er sich darauf, den ganzen schrecklichen Winter lang. Entgegen gängiger Klischees ist Marko kein zotteliger Hippie, sondern ein Durchschnittstyp: Der 38-jährige Lehrer trägt kurze, dunkelblonde Haare, Cargohosen und einfarbige blaue T-Shirts. Er hört Psytrance seit 14 Jahren. Dabei wollte er „nur mal schauen, wie das so ist“, erzählt er, als ein Freund ihn das erste Mal auf eine Party mitnahm, in Kiel, seiner Heimatstadt. „Ich fand es sofort fantastisch“, sagt Marko. 


Seitdem gehören die Sommer den Trance-Festivals. Antaris ist für ihn „eine der nettesten Partys“. Wegen der Leute, des guten Sounds, der einfallsreichen Deko. Seit 15 Jahren gibt es das Festival. Vier Tage dauert es. Es gibt zwei Floors, einen großen Campingplatz, unzählige Stände mit Indien-Schnickschnack und natürlich „Yoga-Town“ für Meditations- und Trommelkurse. Wenn die Sonne scheint, riecht die Tanzfläche nach Stroh und Staub. Die meisten tanzen mit zur Seite ausladenden, federnden Schritten, die Arme vom Körper ab. 


Die Szenen ähneln sich auf allen Festivals: Ein alter Mann in einem weiten, weißen Gewand tanzt so schwungvoll, dass seine Dreadlocks bei jedem Schritt in die Höhe hüpfen. Eine junge Frau in einem Rüschenrock schlängelt die Arme wie eine Tempeltänzerin durch die Luft. Ein gepflegter Mittvierziger in einer weißen, kurzen Hose und einem roten T-Shirt schiebt beim Tanzen immer wieder seine kleine, viereckige Brille zurecht. Wenn es dunkel wird, kommen die Brandenburger Jugendlichen und die Leuchtstäbchen. Wie eine Roboter-Armee zucken sie zu düsterem Baller-Sound, niemand schwebt und lächelt mehr.


Marko und seine Freunde flüchten, ziehen sich auf den Zeltplatz zurück, gehen früh schlafen. Am Sonntagmorgen ist der Spuk vorbei, der harte Kern wieder unter sich. Marko kennt jeden. „Hier sind alle locker“, sagt er. „Sie versuchen, ihre Verklemmungen und alltäglichen Konventionen über Bord zu werfen.“ Ein offener Umgang habe sich zwischen den Leuten etabliert, eine entspannte Energie. Dass das nach Hippies klingt, ist ihm bewusst. Doch schließlich waren es Hippies, die die Bewegung einst in Gang gesetzt haben. Einige davon sind  noch da. Marko unterteilt sie in „Kreative“ und „Spinner“. Letztere hängen an Orten wie „Yoga-Town“ ab. Da war Marko noch nie. Spiritualität findet für ihn nur auf der Tanzfläche statt.


Clubs interessieren Marko nicht. Als er vor drei Jahren nach Berlin zog, war er mal in einem. „Ich hatte das Gefühl, dass jeder dort um Aufmerksamkeit kämpft“, sagt er. „Die Leute haben verklemmt gewirkt, nicht so, als ob sie Spaß hätten.“ Er hat ihn, den gesamten Sommer lang.

Festival: 10.-13.7., Flugplatz Stölln, Tickets 60 Euro, www.antaris-project.de


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