Live: U2 im Olympiastadion

Foto: Gerd Montag
Gerd Montag
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19.10 Uhr. Samstag abend. Kreuzberg 36. Leichter Nieselregen. Halt Berliner Sommerwetter im Jahr 2009. Was, um Gottes Willen, veranlasst einen halbwegs vernünftigen Menschen, sich auf sein Fahrrad zu setzen und ins weit entfernte Olympiastadion zu fahren? Ein einziger Song. „Sunday, Bloody Sunday“.
Ja, ok. Ich gebe es zu. Es mag vielleicht auch daran liegen, im leicht gehobenen Alter gern mal in Erinnerungen früher Jugendjahre zu schwelgen. Ich genoss die 80er Jahre und U2 gehörte einfach dazu.

20.00 Uhr. Olympiastadion. Die Kleidung ist leicht durchnässt. Aber das liegt weniger am Wetter als an meiner Unsportlichkeit. Egal. Um die meinem Körper entzogenen Kalorien schnell wieder zu ersetzen (ich rede mir ein, dass ich meinen Flüssigkeitshaushalt ausgleichen muss), besorge ich mir ein Bier und begebe mich auf die Suche nach meinem Platz.

20.15 Uhr. Block M. Etwa 50m entfernt von der – ja, was soll das eigentlich sein? Bühne? Es erinnert mich eher an ein Spinnentier als an das vorher in der Presse und später von Bono bezeichnete Raumschiff. Vier Beine (ich weiß, Spinnen haben acht) und in der Mitte der massige Körper.

20.45 Uhr. Die Spinne beginnt zu leuchten und sonderte aus verschiedenen „Körperöffnungen“ Rauch ab. Larry Mullen Junior betritt die Bühne. Gefolgt von David Howell Evans, Adam Clayton. Und schließlich Bono.

Es folgt eine über zweistündige Party. Man kann über solche Megakonzerte denken was man will. Es ist trotzdem beeindruckend. 90.000 Fans bringen das Olympiastadion zum kochen. Singen, tanzen, klaschten. Der Innenraum gleicht einem von Wellen durchzogenen Ozean, das Spinnentier vor dem Marathontor taucht das weite Rund immer wieder in spektakuläre Farben.

Und auch wenn Bonos oft „leichter“ Drang zum theatralischen nervt, es gehört halt dazu. Ich ertrage es gern. So wird der unter Arrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gedacht, Nelson Mandela mit einem

Geburtstagsständchen „beschenkt“ und Desmond Tutu wendet sich per Videobotschaft an die Zuschauer. Und zuguterletzt darf natürlich auch eine Huldigung an Michael Jackson nicht fehlen – U2 mixen „Angel of Harlem“ mit Jacksons „Man In The Mirror“.

23.00 Uhr. Das Konzert von U2 ist Geschichte. 90.000 glückliche Menschen machen sich auf den Heimweg.

Mein Fahrrad steht am Osttor. Es warten 45 Minuten Fahrradfahrt auf mich. Aber auch ich habe ein Lächeln im Gesicht. „Sunday Bloody Sunday“ klingt noch in meinen Ohren.


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