Helge Schneider: »Ich war immer der Outlaw«


Muss gleich abaschen: Helge Schneider Foto: Omorp
Steffen Rüth
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Das Ambiente könnte gediegener kaum sein. Helge Schneider, 54, sitzt im plüschigen „Handelshof“, dem besten Hotel seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr. Er trägt einen gemusterten Norwegerpulli zu blauer Stoffhose, trinkt Tee, isst ein Stück Marzipantorte und ist ausgezeichnet gelaunt. Anlass der Unterhaltung ist Schneiders neues Bühnenprogramm „Komm hier haste ne Mark!“.

Herr Schneider, die D-Mark ist seit acht Jahren abgeschafft. Sind Sie ein Nostalgiker? Ich glaube nicht. Ich habe allerdings zwei alte Autos, und ich bin einer, der sich für Formen interessiert. Ich weiß einen schönen Stuhl aus den 30er Jahren genauso zu schätzen, wie ein schönes Möbelstück aus dem Jahr 2009.
Oder einen alten Bauernhof? Sie sollen mit Ihrer Partnerin und Ihrer Tochter auf einem leben … Unser Haus war mal ein Ausflugslokal inklusive Kegelbahn im Keller, aber kein Bauernhof. Wir haben kleine Zwergschafe, die für sich selbst sorgen können. Und drei Hunde in verschiedenen Größen.
Und Sie haben fünf Kinder. Die Älteste ist Ende 20, die Jüngste zwei Jahre alt. Erziehen Sie sie mit einer gesunden Portion Anarchie? Ich  schon. Von mir kommt der Satz „Kinder müssen frech sein“.
Sie wirken wie jemand, der in kein Schema passen möchte. Wie wichtig ist Ihnen Freiheit? Das Denken muss immer frei bleiben. Ich muss frei erfinden und fantasieren können. Die persönliche Freiheit in meinem Kopf – das ist der Hauptgrund, warum ich lebe. Das Drumherum, dass ich nicht frei sein kann, weil ich beispielsweise für eine Auslandsreise meinen Ausweis mitnehmen muss, das nehme ich in Kauf. Ich wollte mal nach Polen laufen und hatte keinen Ausweis dabei. Da haben sie mich zurückgeschickt, weil ich mir die Freiheit nicht nehmen ließ, meinen Ausweis nicht mitzunehmen.
Als Sie vor 15 Jahren mit „Katzeklo“ erfolgreich wurden, warf man Ihnen vor, für den Verfall der humorigen Sitten verantwortlich zu sein. Inzwischen gilt Ihr Schaffen als Hochkultur, die humorigen Sitten zerstören ganz andere Leute. Da ist etwas dran, aber ich habe mich auch weiterentwickelt. Vor 20 oder 30 Jahren war mein Humor noch viel aggressiver. Das war damals ein anderer Helge. Nämlich der, der noch nicht bekannt war, der in sich noch ziemlich zornig darüber war, dass die anderen Leute die Jazzmusik, die er so gerne hatte, überhaupt nicht so gerne hatten. Auch Leute aus meinem Umfeld, Freunde, man ging irgendwo hin und die sagten „Auf den Laden habe ich keine Lust, da spielt heute eine Band“. Das habe ich nie verstanden.
Würden Sie gerne eine Castingshow leiten? Vielleicht als Dieter Bohlen der gehobenen Comedy? Kein Interesse. Ich würde mich nie irgendwo hinsetzen und sagen „Du bist gut, und du bist schlecht.“ Diese Dreistigkeit würde ich mir nicht erlauben. Ich gucke solche Sendungen manchmal im Fernsehen und finde sie sehr zweifelhaft, wenn auch ganz unterhaltsam.
Wenn Sie heute am Anfang Ihres Berufslebens stünden, würden Sie bei „Das Supertalent“ mitmachen? Nein, nein. Das sind Schafe, die alle in der Herde laufen und durch einen engen Trichter durch möchten. Das wäre nichts für mich. Ich will ja erst gar nicht dazugehören. Ich war immer der Outlaw und finde Einzelgänger – nicht nur, aber auch im Western – gut.

Konzert: 18.3. bis 4.4., 20 Uhr,
Admiralspalast, Mitte, Tickets ab 18,50 Euro,
www.helge-schneider.de


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