Live am 29.5. im West Germany: The Mae Shi

Foto: Omorp
Jörg Wunder
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Hochtouriges Splattercore-Gehacke, übersteuerter Kreischgesang, Gitarrensoli wie Fingernagelkratzen auf Kreidetafeln und nervensägende Billigsynthies – die erste Botschaft vom Ohr zum Finger lautet: Aua. Stop-Taste drücken! Doch bereits beim zweiten Durchlauf offenbart der kratzbürstige Irrsinn des Albums „Hlllyh“ (steht angeblich für „Halleluyah“) eine wütende, wilde Schönheit. Was das Experimentalpop-Ensemble aus San Francisco auf seiner vierten Platte abliefert, ist für bandeigene Maßstäbe fast schon Mainstream. Der Song „Young Marks“ etwa wirkt wie eine in doppelter Geschwindigkeit gespielte Adaption von David Bowies „Life on Mars“ und könnte sich im radiokompatiblen Umfeld angesagter Bands wie Foals oder Vampire Weekend locker behaupten. Das frühere Bestreben, ihren Ideenreichtum in kommerziell unverdauliche Songeinheiten zu zerhäckseln, haben The Mae Shi abgelegt und setzen es nur noch punktuell als Stilmittel ein. Das Ergebnis sind 14 hinter der rauen Schale erstaunlich melodiereiche Stücke – darunter eine großartige elfminütige Techno-Rave-Mutation, für die die Chemical Brothers ihre Goldene-Schallplatten-Kollektion eintauschen würden. Die Platte sollte The Mai Shi einer neuen Hörerschaft zugänglich machen. Und für die Fans der ersten Stunde gibt es noch die Mix-CDs, auf denen die sechs Jungs aus L.A. die Schnipsel ihrer 2.000 Lieblingssongs zu saulustigen, aber unhörbaren 80-Minuten-Collagen komprimieren.  

Konzert: The Mae Shi, 29.5., 21 Uhr, West Germany,
www.mae-shi.com


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