Hitler unterhält sich auf einem Frontbesuch mit einem Soldaten: „Kamerad, was wünschst du dir, wenn du an vorderster Front im Granathagel stehst?“

Soldat: „Dass Sie, mein Führer, neben mir stehen!“

Nur einer jener zeitgenössischen Scherze, die im „Tausendjährigen Reich“ so manchen um Kopf und Kragen gebracht haben. Und heute? Sobald Komödie, Satire oder Ironie auf den Nationalsozialismus treffen, wird die Frage gestellt: Darf man das? In schöner Regelmäßigkeit streitet sich Deutschland, ob Hitler durch Humor verharmlost wird. Betrachtet man die Diskussionen der vergangenen Jahre, gibt es da zum einen die Position, die der Historiker Hans Ulrich Wehler anlässlich Dani Levys „Mein Führer“ von 2007 vertrat: „Die Behandlung von Figuren wie Lenin, Stalin und Hitler ist besser bei Wissenschaftlern aufgehoben als in einer Persiflage.“ Aha.

Die Opfer würden durch unbedachtes Lachen verhöhnt, ist ein weiteres, wiederkehrendes Argument. Die Verbrechen waren einfach zu grausam. Ergo: absolutes Witzeverbot. Ralph Giordano, selbst Opfer der Nazi-Schergen, knüpft den Humor an die Bedingung, dass das Lachen das Grauen widerspiegeln muss. Das Lachen soll also im Halse steckenbleiben, dann ist es gut. Gar nicht gehen demnach solche Sachen wie Ulk oder Comedy.

Zum anderen ist da die Kulturchefin des „Tagesspiegels“, Christiane Peitz. In einem Kommentar von 2007 weist sie auf die Frage der Moral, der politischen Korrektheit und der Empathie mit den Opfern hin, die ein Lachen geradezu verbietet. Jedoch, schlussfolgert sie, „wir lachen, weil uns etwas überfordert.“ Und die besten Witze reißt man eben über Autoritäten wie Tyrannen. Genau das ist es.

Schauen wir uns Hitler doch etwas genauer an. Reduziert auf das Wesentliche kann man konstatieren: Hitler war ein Mensch. Wie du und ich. Na, wie schmeckt euch das? Grauenvoll? Unerträglich?

Also gut: Er war ein eineiiger Irrer mit Mundgeruch, ein gescheiterter Kunststudent, der es geschafft hat, sich mit seinen wirren Gedanken einen gesamten Staatsapparat inklusive Militär plus Drum und Dran untertan zu machen. Der Massenmörder hatte willige Helfer. Und viele, die einfach weggeschaut haben oder nur in Ruhe gelassen werden wollten.

Dennoch, er war ein lächerlicher Mensch, bei dem kein Mittel der Satire oder auch der Comedy zu schade sein darf, um ihn von seinem verfluchten Sockel zu stoßen. Wenn Christoph Maria Herbst in einem Trailer zu „Neues vom Wixxer“ auftaucht und als Alfons Hatler dem Publikum näher bringt, doch lieber irgendwo einzumarschieren oder mit dem Schäferhund spazieren zu gehen, als das Handy bimmeln zu lassen, ist das schlicht großartig. Da wird Adolf mal so richtig schön als Witzfigur kenntlich gemacht. Lachen kann auch eine befreiende Funktion haben. Spott und Hohn haben eine lange Tradition und waren schon immer ein scharfes Schwert gegen die Tyrannen dieser Welt. Nachtreten ausdrücklich erlaubt.