zitty-Kritik 02/2012

Der Spreewaldplatz ist seit kurzem um eine Trinkstation reicher: Dort, wo sich einst die Mini-Bar befand, prangt nun am Fenster der geschwungene Schriftzug von „Locke Müller“. Der Name bezieht sich auf einen fiktiven Kreuzberger Boxer und Cousin des legendären Fighters Peter Müller. Ein mannshohes Locke-Porträt prangt an der Wand, die mit alten Strafzetteln tapeziert ist. Der Polizeipräsident zu Berlin lässt grüßen. Vielleicht soll es den Gästen als Ermahnung dienen, das Auto erstens nicht in der Halteverbotszone am Spreewaldplatz zu parken und zweitens die Karre nach einem nächtlichen Besuch im „Locke Müller“ besser stehen zu lassen.

Denn die Drinks sind gehaltvoll, gut gerührt, respektive geschüttelt. Dafür sorgt der engagierte Barmann, der am Testabend zwar mit bedauernder Geste mitteilt, dass es noch keine Cocktailkarte gebe, er uns aber gerne ausführlich am Tisch berät.

Und der Mann versteht sein Handwerk: Er kredenzt einen Dartmouth, einen ginbasierten Cocktail mit naturtrübem Apfelsaft, Holunderblütensirup, frischem Basilikum, etwas Soda, garniert mit Gurkenscheibe. Hervorragend! Neben solchen „Cuisine-Style-Drinks“ beherrscht der Barkeeper auch Klassiker wie Mojito oder Longdrinks wie Gin Tonic. Der „Rum Sour“ aus acht Jahre altem Bacardi wird mit Eiweiß angereichert, das den Drink geschmacklich abrundet.

Jetzt würde man gerne ein paar gesalzene Mandeln knabbern. Doch der Barmann setzt ein weiteres Mal ein bedauerndes Gesicht auf: Elektrolyte gibt es leider nicht. Er sei eben „nur“ der Bartender, aber er wird für die Zukunft den Betreibern Bescheid sagen.

Das Locke Müller ist so klein, dass hier niemand lange allein am Tresen bleibt, schon mit 20 Gästen wirkt der Laden gut gefüllt. Das passt auch zur angenehmen Jazzmusik, die jeden Mittwoch live von einem DJ-Duo auf die Vinylplattenteller gelegt wird. Fazit: Ein guter Laden, die richtige Mischung aus schummerig, schick und unaufgeregt – gerade richtig für den Kiez rund um den Spreewaldplatz. Heike Gläser