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- 15.07.2008
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Barack Obama: Obama hat das bessere Drehbuch
Wer sind Obamas Freunde in Berlin? Rund 20.000 US-Amerikaner leben in Berlin. Fast 1.000 von ihnen sind offizielle Mitglieder der Democrats Abroad – der Auslands-Sparte der US-amerikanischen Demokratischen Partei. 1964 konnten sich im Exil lebende Amerikaner erstmals in London und Paris organisieren, inzwischen haben die Demokraten Vertretungen in über 100 Ländern weltweit. Der politische Einfluss der Democrats Abroad ist bescheiden.
22 Delegierte stellen sie, Michael Steltzer, Chairman der Democrats Abroad Berlin, nennt es lakonisch den „homöopathischen Tropfen“ im Kandidaten-Cocktail. Nichtsdestotrotz, die registrierten Berliner Demokraten lassen sich keinerlei Politikverdrossenheit anmerken. Bei der Wahl des Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei fanden sich immerhin 250 US-Exilanten im Wahllokal und „Vereinshaus“ Max & Moritz in Kreuzberg ein. Einstimmigkeit, sonst nicht unbedingt eine amerikanische Tugend, herrschte schnell. 80 Prozent der Wähler hielten Barack Obama für den geeigneteren Kandidaten. Jerry Gerber, Pressesprecher der Democrats Abroad Berlin meint zur Debatte um den Auftritt Obamas am Brandenburger Tor: „Was soll das Ganze? Es wäre wunderbar, wenn Obama hier in Berlin und dazu noch am Brandenburger Tor sprechen würde!“
Wo bekomme ich noch eine Flagge her? Amerikanische Flaggen gibt es in den einschlägigen Geschäften im Überfluss. Der Unsympath George W. Bush hat nachhaltig dafür gesorgt, dass die Stars and Stripes wie Blei im Regal liegen. Beim Berliner Platzhirsch für National-Devotionalien, dem Flaggenhaus am Alex, ist die US-Fahne schon seit Jahren ihren Stammplatz unter den Top Ten los. Hier verkauft man heute mehr kasachische Flaggen als amerikanische. Thomas Lünser, Geschäftsführer, erwartet auch beim Obama-Besuch keinen Boom: „Selbst bei der Botschaftseröffnung haben wir keine verkauft, die Begeisterung für die USA ist einfach weg.“ Trotzdem hat er die Stars and Stripes in allen Formaten vorrätig, vom Papierfähnchen über den Standard in 90 mal 150 für 14,90 Euro bis zur Deluxe-Variante in drei mal fünf Metern für 279 Euro. Die günstigste Flagge gibts natürlich bei uns als Bausatz zum Download.
Spaltet Obama die große Koalition? Tagesspiegel-Parlamentskorrespondent Hans Monath sagt dazu: „Man spürt eine Lust am Streit in der großen Koalition bei der Frage, wo Obama reden soll. Die Kanzlerin will verhindern, dass sich die SPD mit dem überaus populären Kandidaten verbündet. Deshalb wäre ihr am liebsten, Obama würde in irgendeiner Institution und nicht im Freien vor Tausenden von Berlinern sprechen. Die SPD sieht die Chance, dass Angela Merkel als Freundin von George W. Bush dasteht und sich isoliert. Sowohl Merkel als auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier wetteifern förmlich um Bilder, die sie mit dem Kandidaten zeigen. Als der Obama-Besuch angekündigt wurde, haben Kanzlerin und Vizekanzler schnell erklären lassen, sie wollten den US-Politiker sehr gerne treffen. Aber entzweien wird dieser Streit die Koalition nicht.“
Was sagt eigentlich Gayle Tufts dazu? Sie freut sich natürlich über Obamas Besuch: „George Bush hat sich die ersten vier Jahre überhaupt nicht für Außenpolitik interessiert. Er ist kaum gereist und wenn er kam, hat er mit Angela Merkel hinter dem SicherheitszaunSchweine gegrillt. Obama dagegen geht nach Europa und in die Welt. Dahin, wo Geschichte passiert und auch dahin, wo die Menschen hinkommen können. Er missbraucht das Brandenburger Tor nicht für den Wahlkampf, sondern macht Werbung für Berlin.“
Wer wird denn nun Präsident, Obama oder McCain? Statt zum Wahrsager zu gehen, haben wir bei den USA-Experten vom Kennedy-Institut der FU nachgefragt. Professor Irwin Collier, Abteilung Wirtschaft, sagt: „Wenn ich wetten müsste, würde ich auf Obama tippen. Ich würde nicht unsere Familienfarm setzen, aber 100 Dollar wären schon drin.“ Seine Begründung: die Energie des jungen Obama im Vergleich zum älteren McCain. „It is Obama’s race to lose“, sagt er, „seine Kampagne ist gut organisiert, während McCain noch kein Thema gefunden hat.“
Dr. Andreas Etges, Abteilung Geschichte, möchte nicht wetten: „Das Rennen ist komplett offen, die Schlammschlachten gehen jetzt erst los.“ Er steht Obamas Wunsch, vor dem Brandenburger Tor zu reden, skeptisch gegenüber – gestellte Bilder könnten auch scheitern, wie der Demokrat und Favorit Michael Dukakis 1988 erfahren musste. Er posierte während des Wahlkampfs gegen George Bush in einem Panzer – darüber werden heute noch Witze gerissen. Zwei Wissenschaftler, drei Meinungen und hunderte Umfragen, das alles hilft uns nicht weiter. Was aber hilft, ist die Tatsache, dass Amerikaner kaum etwas so sehr lieben wie eine gute Geschichte. Das bessere Drehbuch hat eindeutig Obama. Er ist der junge Underdog, der sich gegen alle Gegner aus dem Establishment durchsetzt – als Film wäre dieser Stoff ein Blockbuster. Deswegen: Obama wird Präsident und sonst keiner.
Wann muss ich denn wo sein, um Obama zu sehen? Was kostet Berlin der Besuch?
Wieviele Gullydeckel werden sprengstoffsicher verschweißt?
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