- Artikel
- 30.07.2008
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Spreeufer nach dem Bürgerentscheid: Mediaspree leckt
In was für einer herrlichen Stadt leben wird doch. Underground auf „Teufel, komm raus!“. Wer auch nur den Anschein macht, ein wenig zu sehr „West-Berlin“ zu sein, der ist unten durch. Als mir und meinen Mainstream-Freunden auffiel, wie viel Spießigkeit doch eigentlich in unserem Berliner Untergrund steckt, war uns klar – nicht mit uns!
Das sich ungebremst verbreitende Phänomen junger Berliner, die sich besoffenen Touristen anschließen und auf Kneipentouren die Sau rauslassen – kurz: „Pub-Crawling“ – war uns allen inzwischen zu Ohren gekommen und so dachten wir: „Einen Versuch ist es wert!“ Aus Protest sozusagen.
„Hopp Hopp, rin in Kopp“ grölt der „Tourleiter“ im Stile eines Aushilfsanimateurs und schmeißt großzügig eine Runde Mini-Wodka-Orange. Das ohnehin dünne Eis ist gebrochen und die rot-blonde Nordengländerin neben uns lächelt zum ersten Mal mit dem Charme einer schiefzähnigen Pferdewirtin aus dem Großraum Sheffield herüber. „I like Berlin, because alcohol here is so fucking cheap“, schreit mir Jan aus zehn Zentimetern ins Ohr, während sein Atem seine Aussage noch mal doppelt unterstreicht. Jan kommt aus Dänemark und macht eine Europareise. Die schiefen Blicke der Normalo-Gäste in der ersten Kneipe, der Pub-Tour rufen bei einigen noch so etwas wie Schamgefühl hervor. Zwei Etablissements und drei weitere Wodka-Orange später, ist auch das dann komplett verschwunden. Ertränkt sozusagen. So geht ess dann weiter – ob man will oder nicht. Die Engländerin ist auf einmal viel hübscher und Jan haucht einem zum zwölften Mal ins Ohr, dass Berlin so scheiße billig wäre. „How far will we go tonight?“ spricht uns die rot-blonde Mrs. Sheffield schließlich mutig an. Dass ihre Frage auf die Länge unserer Tour gemünzt war, das wussten wir. Wie weit wir noch gehen würden – das fragten wir uns dann aber auch und beschlossen, dass wir weit genug gegangen waren.
Ob Underground oder Kneipen-Kriechen, in was für einer herrlichen Stadt leben wir doch…Wenn man sich nicht immer ganz so ernst nimmt.
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