- Artikel
- 05.03.2009
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Sind Migranten homophober als der Rest der Gesellschaft? : „Nur noch Araber schaffen es in die Medien“
Immer mehr Schwule und Lesben in Berlin sind Opfer von Gewalttaten, das war Titelthema von zitty 4/09. Immer wieder taucht die Behauptung auf, besonders viele junge Türken und Araber seien Täter. Stimmt das? Über Homophobie unter Migranten, in den Kirchen und in Süddeutschland sprach zitty mit Koray Yilmaz-Günay, der beim Verein Gays und Lesbians aus der Türkei, kurz GLADT, das Projekt „Homophobie in der Einwanderungsgesellschaft“ leitet.
Ist homophobe Gewalt ein Problem junger Migranten? Es gibt kein Bewusstsein dafür, dass diese jungen Männer vor allem Männer sind. In den Medien, in der Politik und leider auch bei der Schwulenbewegung ist die Wahrnehmung entweder, dass es sich um ein ideologisches Problem handelt, dann sind die Täter Nazis, oder dass es um ein Herkunfts- oder Religionsproblem handelt – dann sind die Täter arabisch- oder türkischsprachige Jugendliche. Und das ist zu kurz gegriffen, denn es erklärt nicht, warum so viele andere Türken und Araber nichts gegen Schwule und Lesben haben.
Sie relativieren. Wir relativieren nicht – aber wir rufen zur Vorsicht mit ethnischen Zuschreibungen auf. Es ist das Gleiche bei Gewalt gegen Frauen oder bei Antisemitismus, wo es fast nur noch Araber in die Medien schaffen. Homophobie betrifft die gesamte Gesellschaft. Warum redet niemand darüber, dass die Kirchen als so genannte „Tendenzbetriebe“ Homosexuelle nicht einstellen müssen oder kündigen können, weil für sie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gar nicht gilt? Es ist auch nicht schön, wie Homosexuelle in der süddeutschen Provinz leben – dass sie etwa keine Wohnung kriegen. Aber das sieht niemand als Problem. Das Problem sind muslimische Jugendliche, wenn man der öffentlichen Debatte folgt.
Ein zentrales Thema Ihrer Arbeit ist die so genannte „Mehrfachdiskriminierung“. Was meinen Sie damit? Ein Beispiel: Was ist es denn, wenn mich jemand „Türkenschwuchtel“ nennt – eine rassistische oder eine homophobe Beschimpfung? Gerade bei Leuten, die wegen körperlicher oder sprachlicher Merkmale oder wegen ihres Namens häufiger angemacht werden, gibt die Komponente „Rasse“ meist den Ausschlag. Auch mir fällt es schwer, einen Vorfall allein als homophobe Gewalt zu klassifizieren, obwohl ich hier geboren und aufgewachsen bin.
Sehen Sie ein Risiko, dass ähnlich wie in Holland rechte Populisten homophobe Gewalt zum Thema machen? Es gibt Leute, die es auf der Fortuyn-Schiene probieren. Aber Homophobie mobilisiert in Deutschland keine größeren Menschenmengen. Moscheebau ja, Homophobie nicht. Der Ex-Freund von Ole von Beust hat das in Hamburg versucht, aber in den Wahlen weniger als einen Prozent bekommen.
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