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- 10.03.2009
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Wem gehört die Stadt: : Überdosis Kottbusser Tor
Das Bild ist nicht neu: Alkoholiker, Drogenabhängige und Dealer, die sich in den Gängen des U-Bahnhofs Kottbusser Tor treffen, die sich oben auf den Gehwegen oder den Spielplätzen sammeln und sich in den Treppenhäusern des Neuen Kreuzberger Zentrums, kurz NKZ, verteilen. Seit rund 30 Jahren ist die Gegend rund ums Kottbusser Tor Drogenumschlagplatz. Der Kiez hat das ertragen, es gibt genug andere Probleme. Doch seit kurzem droht das Problem zu eskalieren.
Seit das Jugendamt Friedrichshain-Kreuzberg im letzten Jahr die erste Bewohnerbefragung im NKZ durchführte, steht es Schwarz auf Weiß: Die Menschen hier haben Angst. Sie haben Angst um ihre Kinder, sie haben Angst um sich selbst. Sie wollen in ihren Treppenhäusern kein Blut, keine Spritzen, keinen Kot, keine Bewusstlosen – und keine Opfer von Überdosen.
Dafür, dass die Situation jetzt zu eskalieren droht, gibt es zwei Gründe: Zum einen schloss im letzten Jahr das hinter dem NKZ liegende Parkhaus. Dieses war lange ein beliebter Treffpunkt der Szene. Zum anderen setzte die Wohnungsbaugesellschaft GSW für die Gebäude am südlichen Kottbusser Tor Conciergedienste ein, am NKZ vergitterte die Hausverwaltung Aufgänge, die BVG plant, den U-Bahnhof Kottbusser Tor komplett per Videokamera zu überwachen. Nun soll auch noch der Druckraum in der angrenzenden Dresdener Straße schließen. Es gibt keine Orte mehr für Junkies am Kottbusser Tor, keine stillen Winkel, keine Rückzugsräume – und darum sind sie auch häufiger auf der Straße zu sehen.
Letzten Herbst reichte es Anwohnern wie Gewerbetreibenden endgültig. Man gründete eine Bürgerinitiative und wandte sich in einem offenen Brief an den grünen Bezirksbürgermeister Franz Schulz. Eine schnelle Verbesserung der Situation durch neue öffentliche Toiletten, die Einrichtung eines größeren Druckraums mit durchgehenden Öffnungszeiten, sowie mehr polizeiliche Präsenz waren die Forderungen. Seitdem wird viel diskutiert. Konkrete Vorschläge zur Lösung des Problems gibt es bislang keine. Nur viele erhitzte Gemüter. Und eine immer größere Spaltung der einzelnen Gruppierungen. Franziska Klün
Die Anwohner: kein tolerantes Geschwätz mehr
Freitagabend, Festsaal Kreuzberg. Die Bürgerinitiative hat zur Podiumsdiskussion geladen. Das ursprüngliche Motto „Wir sind nicht das Arschloch von Berlin“ änderte man noch in „Für ein lebenswertes Kreuzberg – Drogen weg vom Kottbusser Tor“. Für dicke Luft ist gesorgt. Rund 250 Menschen sind gekommen, um mit den Vertretern von FDP, SPD, Linken und Grünen über deren Lösungsvorschläge zu diskutieren. „Die Leute hier sind am Ende ihrer Geduld“, sagt der Sozialarbeiter Ercan Yasaroglu, ein Sprecher der Initiative und Veranstalter der Diskussionsrunde. „Die wollen nicht mehr warten. Die wollen auch nicht mehr kooperieren. Denen reicht es mit den Junkies und Dealern hier. Die haben das Gefühl, ständig zu schreien und ständig ignoriert zu werden.“ Fast drei Stunden dauert die Debatte. Linke hacken auf Zuwanderern rum, SPD-Vertreter auf Grünen-Politikern, manche wollen mehr Polizei, manche werben für Toleranz. Am Ende des Abends ist kaum etwas geklärt, außer vielleicht das: Es muss etwas geschehen, und das bald.
Oder doch nicht? Gunther Hagen, Leiter des Jugendamts Friedrichshain-Kreuzberg, plädiert für eine Strategie, die auf der Bürgerversammlung nicht einmal angedacht wurde: Zeit und Geduld. „Kurzfristig werden wir die Probleme hier nicht in den Griff bekommen. Dafür ist die Situation viel zu komplex“, sagt er. Hagen ist der Meinung, das Thema koche jetzt so hoch, weil die vom Jugendamt durchgeführte Umfrage den Bewohnern endlich eine Stimme verleiht, außerdem gebe es seit kurzem einen Anwohnertreffpunkt, wo die Drogenproblematik lebhaft diskutiert wird. Sein Vorschlag, im Stillen an einem Lösungskonzept zu arbeiten, ist untergegangen. Der Streit wird jetzt öffentlich ausgetragen.
Dabei wird deutlich: Auch Gewerbetreibende und Bewohner sind nicht alle einer Meinung. Während die einen für ein drogenfreies Kreuzberg sind, wollen andere auf der Mittelinsel unter der U-Bahn einen Ort schaffen, wo sich die Junkies aufhalten können. Eine Insel der Zugedröhnten mitten im Verkehrsgewimmel.
Elke Gruner* wohnt schon seit 20 Jahren in der Dresdener Straße und seit 20 Jahren, so sagt sie, sitzt sie auch auf dergleichen Diskussionsveranstaltungen: „Die Kreuzberger sind eine hochtolerante Bevölkerung, das darf man nicht vergessen. Aber es kann nicht sein, dass die ganze Zeit nur von den Bedürfnissen der Junkies gesprochen wird.“ Gruner bestätigt, was man von vielen hört: „Die ganze Szene ist jünger und aggressiver geworden. Kinder werden als Drogenkuriere benutzt, vor ihren Augen wird gedealt, gespritzt. Und die Polizei lacht uns aus, wenn wir anrufen und sie um Hilfe bitten. Die trauen sich nämlich auch nicht her.“ Als Steuerzahlerin könne sie doch wohl verlangen, dass der Staat sie und ihre Familie beschützt.
4.000 Kinder leben rund ums Kottbusser Tor. Die meisten Eltern haben Angst, sie alleine zur U-Bahn gehen zu lassen, geschweige denn, sie nach draußen zum Spielen zu schicken. „Was ich bei den Treffen im Anwohnerstützpunkt erlebe, ist die reine Hilflosigkeit“, sagt Jugendamtsleiter Hagen. Wovor die Menschen besondere Angst hätten, sei, dass ihre Kinder selbst zu Dealern werden, sagt Ercan Yasaroglu von der Bürgerinitiative: „Die Dealer sind die, die mit dicken Autos vorfahren, die Geld haben und so zu Idolen werden.“ Wie solle man seinen Kindern erklären, dass Dealen falsch ist, wenn sie sehen, wie erfolgreich diese Verbrecher sind?
Yasaroglu fürchtet eine Eskalation. Es gehe das Gerücht um, einige Väter hätten sich bereits bewaffnet. Wenn sich keiner um ihre Probleme kümmere, müssen sie sich eben selbst kümmern. Unter den Gewerbetreibenden gilt dieses Gesetz schon längst: „Baseballschläger gehören bei uns zur Grundausstattung“, sagt einer, der seinen Namen nicht nennen will. Hinter seinem Tresen kramt er einen großen Metallschläger hervor. Hier wisse jeder, dass das auch funktioniert: „Die stehen dann nicht mehr vor deinem Laden.“
Wie viel dran ist an den Gerüchten, dass dieses Jahr Blut fließen soll, wissen weder Hagen noch Yasaroglu. Aber beide plädieren dafür, sie ernst zu nehmen. „Wenn man eins gelernt hat, dann, dass man mit tolerantem Geschwätz nichts erreicht“, sagt Hagen.
„Ich misstraue inzwischen allen Politikern“, sagt ein weiterer Ladenbesitzer, der ungenannt bleiben möchte, „bisher habe ich Grüne oder SPD gewählt. Ich bin aus Kreuzberg, da macht man das so. Aber was soll ich jetzt machen? NPD wählen?“ Franziska Klün
Die Fixer: „Junkies sind wie Atomkraftwerke – keiner will sie vor der Haustür haben“
Obwohl es schon später Vormittag ist, wirkt das Kottbusser Tor noch recht verschlafen. Auch in der Dresdener Straße, die von den Sozialbauten des Neuen Kreuzberger Zentrums überragt wird, ist kaum jemand zu sehen. Nur vor der Hausnummer 15 stehen ein paar Leute. Sie warten darauf, dass das „SKA“ aufmacht, der Druckraum, der vom Aids- und Suchthilfeträger fixpunkt betrieben wird. Viele Junkies aus der Szene am Kottbusser Tor besuchen die Einrichtung regelmäßig, zwischen 20 und 40 sind es während der täglichen vier Stunden Öffnungszeit. Sie bekommen hier eine Dusche und frische Kleidung, auch mal ein warmes Getränk. Vor allem aber gibt es saubere Spritzen und einen Konsumraum, in dem Heroin und andere illegale Drogen unter Aufsicht und hygienischen Bedingungen eingenommen werden können. Die Abkürzung „SKA“ steht für Streetwork-Koordination-Akzeptanz. An der Akzeptanz für das Projekt aber scheint es zu hapern.
Lange konnte das „SKA“ relativ ungestört arbeiten. Doch seit ein paar Monaten bekommen die Mitarbeiter die angespannte Stimmung deutlich zu spüren. Seitdem das Parkhaus im Neuen Kreuzberger Zentrum geschlossen wurde, sind Dealer und Konsumenten verstärkt auf die Straße gedrängt worden. „Und immer, wenn sie sichtbarer werden, werden sie zum Problem“, sagt Nora Bauermann, die Leiterin des Projekts. Diejenigen, die nicht im Druckraum konsumieren dürfen – beispielsweise, weil sie keinen Ausweis vorlegen können oder trotz Methadon-Rezepts harte Drogen nehmen –, tun es in Hauseingängen, auf Spielplätzen oder anderswo auf der Straße, seit es das Parkhaus nicht mehr gibt. Und im Zweifelsfall auch im direkten Umfeld der Einrichtung. Nach Beschwerden von Anwohnern wurde dem „SKA“ zum April von der privaten Hausverwaltung gekündigt. Neue Räumlichkeiten sind noch nicht gefunden. „Die Proteste der Bürgerinitiative, und dass das Ganze in den Medien so hoch gekocht ist, erschweren das natürlich“, sagt Bauermann. Sie hat Verständnis für die Beschwerden von Vermietern und Anwohnern. Aber sie sieht auch die Hauseigentümer in der Pflicht, Eingangsbereiche und Treppenhäuser besser zu schützen.
Warum die Bürgerinitiative, die Gewerbetreibenden, der Verein „Mütter ohne Grenzen“ und das Quartiersmanagement bisher nicht von sich aus das Gespräch mit den fixpunkt-Mitarbeitern gesucht haben, um eine Lösung zu finden, versteht Bauermann nicht. „Wir haben das Gefühl, dass es nicht in erster Linie um eine Lösung geht, sondern dass ganz viele unterschiedliche Interessen auf dem Rücken der Junkies ausgetragen werden“, sagt sie. „Wir wollen hier einfach nur unsere Arbeit machen und würden uns wünschen, dass der Konflikt entemotionalisiert und entpolitisiert wird.“
Das wünscht sich auch Gary Menzel, Leiter des für den Kotti zuständigen Polizeiabschnitts. „Es wird zu viel emotionalisiert und Bilder gezeichnet, die so nicht stimmen“, sagt der Polizeidirektor. „Die Behauptung, dass die Junkies am Kotti mehr geworden sind, können wir nicht bestätigen. In den letzten zwei Jahren gab es hier zwei Drogentote im öffentlichen Bereich. Und Diebstähle oder Einbrüche, die der Beschaffungskriminalität zugeordnet werden, werden oft nicht von Junkies begangen, sondern von Testosteronvulkanen und Intensiv- und Mehrfachtätern aus dem Kiez.“ Auch, dass der Kotti zum Zentrum der gesamten Berliner Drogenszene geworden sei, ist laut Menzel ein Mythos. Die Szene erschließe sich einerseits durchaus neue Orte wie den Weinbergspark. Andererseits sei der Bedarf eines Anlaufpunktes für den Drogenhandel viel geringer als früher: „Heute telefoniert man per Handy mit dem Dealer und verabredet einen Übergabeort – möglichst dort, wo die Polizei nicht präsent ist.“ Für Menzel ist klar: Die Drogenszene am Kotti besteht aus denen, die schon ganz weit runtergerutscht sind. „Sonst würden sie sich nicht in den Fokus der Polizei begeben, wo sie ständig Repressalien befürchten müssen.“ Dass sich das Problem mit mehr Polizeipräsenz allein nicht lösen lässt, weiß auch Menzel. Dennoch gibt es zunächst mehr Streifen.
Dass eine Verlagerung des Druckraums eine Lösung sein könnte, daran glaubt scheinbar niemand – außer der Bürgerinitiative, die unter anderem ein Areal am Ostbahnhof als Ausweichort vorgeschlagen hat. „Da würde niemand hinkommen. Da würden wir also noch weniger Leute erreichen, meint Nora Bauermann. Auch Polizist Menzel ist überzeugt, dass eine Verdrängung der Szene nur zu einer Verlagerung des Problems führen würde.
Peter*, ein 48-jähriger Langzeitkonsument, der seit fast 30 Jahren im Kiez wohnt, meint: „Ich kenne die Szene hier schon seit Ewigkeiten, und bisher hat sie sich nie vertreiben lassen.“ Der ehemalige Hausbesetzer ist zu einer der Kundgebungen der Bürgerinitiative gegangen. Einige der Anwohner und Ladenbesitzer seien sehr aggressiv gewesen und hätten sogar mit Gewalt gedroht. „Junkies sind halt wie Atomkraftwerke – keiner will sie vor der Haustür haben“, sagt er. „Aber wenn sie den Druckraum schließen, dann konsumieren die Leute wieder auf der Straße, und das ist ja genau das, was die Anwohner nicht wollen.“ Rana Göroglu
Die Autonomen: Fixer als Bollwerk gegen Spekulanten
„Wir bleiben alle“ – seit Jahren benutzen die Hausprojekte diese Formel, wenn sie gegen ihre drohende Räumung protestieren. Und inzwischen ist sie das Credo der linken Szene im Streit ums Kottbusser Tor. „Wir bleiben alle“ nennt sich die Kampagne, die in einem Flugblatt zur Verständigung aufruft: „Die Frage, die jedoch alle vereint, ist die nach der Gestaltung des Kiezes.“ Und: „Integration statt Ausgrenzung muss das Motto sein.“ Das gelte natürlich in erster Linie für die Junkies, das schwächste Glied in der Kette, sagt eine Frau, die während der Anwohnerversammlung vor dem Festsaal Kreuzberg demonstriert. Die Heroinabhängigen seien durch die Gentrifizierung ganzer Stadtteile hier am Kotti zusammengedrängt worden. Sie findet, Fixerstuben sollten in allen Bezirken eingerichtet werden, auch in Mitte und Prenzlauer Berg.
Ein hoch gewachsener Mann mit Bart ist vor allem sauer auf die „Springerpresse“: Die hätte eine kleine Kundgebung der Bürgerinitiative von 30 Leuten gegen den Druckraum zu einer „Riesendemo von Anwohnern“ hochgeschrieben. In der Presse, allerdings nicht nur bei Springer, war von 80 Demonstranten die Rede. Doch auch innerhalb der Linken sieht er bedenkliche Entwicklungen: „Dass jetzt teilweise Stimmung gegen Türken gemacht wird, kotzt mich an.“ Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind mehrheitlich Migranten türkischer Herkunft. Ihre Angst versteht er nicht. Am Kreisverkehr habe es im letzten Jahr über 200 Unfälle gegeben. „Dagegen sollten die demonstrieren.“
Oder gegen die „Yuppieisierung“ von Kreuzberg, gegen die die linke Szene angeht. Manche demonstrieren, manche werfen Farbbeutel, andere zerstechen Reifen oder zünden gar Autos an. Diese radikalen Gruppierungen – wenn es denn Gruppierungen sind – wurden neulich in einem Fernsehbeitrag als „Kiezpolizei“ bezeichnet. Ein junger Autonomer findet das „total scheiße“. Es gehe nicht darum, „jemanden einzuknasten“, sondern den „Speckis“, den Spekulanten, zu zeigen, dass sie hier nicht erwünscht sind.
„Farbbeutel schmeißen finde ich völlig in Ordnung“, sagt ein drahtiger Junge mit kurzen Haaren und Antifa-T-Shirt. „Zum Beispiel gegen die hochpreisigen Neubauprojekte, die derzeit an jeder Ecke aus dem Boden sprießen.“ Darunter sind Luxushäuser wie das sogenannte Car Loft in der Reichenberger Straße. Dort kann jeder mit seinem Auto per Fahrstuhl direkt auf den Balkon seiner Wohnung fahren. „Wer braucht sowas?“, fragt eine junge Frau und gibt sich die Antwort gleich selbst: „Typen, die in SO36 überhaupt nix verloren haben.“
Die Stoßrichtung der Argumentation ist klar: Die Fixerstube ist ein Bollwerk gegen den Einfall von Wohnungsspekulanten. Im Flugblatt heißt es dazu: „Die Eltern die heute noch über Spritzen im Sandkasten klagen, finden diese bald wieder am Rand von Berlin, wenn sie aus ihrer Wohnung ausziehen mussten. Die Geschäftsleute, die über weniger Kundschaft durch ,rumlungernde Junkies’ klagen, müssen in fünf Jahren sowieso aufgeben, weil die Mieten sich verdoppelt haben.“ Keine Zukunft ohne Junkies? Den Linken dürfte es schwer fallen, die Anwohner von dieser Position zu überzeugen. Mirko Heineman
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Kommentare
der Kommentar beschreibt nicht die Realität
"Bewußte Verdrängungspolitik gesellschaftlich Bessergestellter" -- was für ein Senf. Die Anwohnerinitiative besteht aus denen, die hier wohnen, und zwar schon lange. Die Provinzspießer, die nach Kreuzberg ziehen, tun das nämlich gerade wegen der Drogenszene, ist so hübsch aufregend. Ansonsten gehen sie in die vielen blöden neuen Cafés an der Oranienstraße. In dem Artikel ist nicht von "Polizeigewalt" die Rede, Polizeigewalt wird in Kreuzberg von niemandem gewünscht. Die Leute am Kotti haben die Junkies jahrzehntelang toleriert, jetzt sind es einfach zu viele geworden. Und viele würden sicher sofort wegziehen, wenn sie gerne ein spießiges Leben führen wollten. Wollen sie aber nicht. Aber dreckig ist nicht das Gegenteil von spießig, und Verschwörungstheorien helfen nun wirklich nicht. Ich wohne seit bald dreißig Jahren am Kotti, wahrscheinlich bin ich hergezogen, bevor der vorhergehende Kommentator geboren wurde, und ich will nicht als Provinz-, wahlweise Wessispießer beschimpft werden, und warum die Migranten, die nun Angst haben und die es ankotzt, daß man ihnen als tägliches Umfeld zumutet, was nur Provinz- und Wessispießer aufregend finden, nun auch noch von den guten Anti-Yuppie-Idioten beschimpft werden, ist auch nicht einzusehen. Nur weil man nicht von der Stütze lebt, ist man noch kein Yuppie.
Strombomboli 17.03.2009 23:37 UhrArtikel beschreibt nicht die Realität
Weder der Abend ist richtig beschrieben noch die Situation. Da werden zugezogenen Kleinstädter, die Kreuzberg in einen cleanen Ponnyhof verwandeln wollen, mal eben als "Anwohner" bezeichnet und die wirklichen Anwohner, die man gerne weg haben will als "Junkies". Dieser ganze Konflikt ist Teil der bewussten Verdrängungspolitik gesellschaftlich besser gestellter Zugezogener, die Kreuzberg gerne in ein sauberes und provinzielles Viertel verwandeln möchten.
FrankB. 17.03.2009 10:12 UhrMeine Frage: wenn man Kreuzberg so schlimm schmutzig findet: warum zieht man als Provinzspiesser dann nicht einfach nach Schöneberg, Treptow oder Mitte? Ist es das innere Verlangen, alles zu beseitigen und zu zerstören, was man nicht versteht?
Ich will hier bestimmt nicht Junkies toll reden, aber es sind auch Menschen und ich wehre mich dagegen, daß irgendwelche Wessispiesser Kreuzberg mit Polizeigewalt sterilisieren wollen und sich dann auch noch als Opfer produzieren. Das betrifft auch und gerade diese unsäglichen Zitty-Schreiberlinge, von denen wohl niemand versteht, wie Großstadt funktioniert.
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