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- 18.08.2008
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Kinderkleidung: Ökomode für Kinder
Dem Berliner Baby-Boom folgt nun ein Boom an Kindermodegeschäften. Jede Woche scheint an irgendeiner Ecke ein neuer Laden zu eröffnen, mit bezaubernder, hochwertiger Kinderbekleidung. Für viele Eltern reicht das nicht aus, für sie spielen ökologische und ethische Kriterien eine immer wichtigere Rolle. So wie für Lene König. Sie lässt die Kollektionen ihres Labels bubble.kid in Deutschland anfertigen. Auch wenn das etwas mehr kostet. „Mein eigenes Öko-Verhalten“, nennt sie das. „Denn Bio-Baumwolle aus Indien muss letzten Endes auch noch über den großen Teich“, sagt sie. Da produziere sie lieber in Deutschland, das sei umweltverträglicher. In ihrem Laden in Mitte hängt bereits ihre Winterkollektion aus: Strampler mit Reißverschlüssen, die bis zu den Füßen gehen, Hosen für Kleinkinder, die am Bund mit Lochgummis verstellbar sind und Babypullis, die am Kragen extra Druckknöpfe haben, auf dass kein Babykopf in einer zu engen Öffnung hängen bleibt. König setzt auf kinderfreundliche Funktionalität.
Zwei Kollektionen veröffentlicht bubble.kid pro Jahr, unterteilt in Jungen und Mädchen. Pullis, Kleider, Hosen, Mäntel, T-Shirts für Kinder bis 6 Jahre. Diesen Winter sind satte Beerentöne angesagt: dunkellila, dunkelblau, dunkelrot. Zum größten Teil einfarbig, aufgepeppt mit andersfarbigen Bündchen. Aufdrucke und Stickereien sind tabu. „Zu stressig“, findet König. Kindermode jenseits von Rüschen und Bärchenmuster, dafür hat die 35-jährige vor vier Jahren das Label gegründet. Sie wollte den einjährigen Sohn nicht in Baseball-T-Shirt und Camouflage-Jacke stecken, wie die großen Händler sie verkaufen. „Außerdem weiß man dort nie sicher, wer die Sachen näht“, sagt sie. Oft seien das Kinder. Dieser Gedanke war ein weiterer Grund, ein eigenes Label zu gründen. Ihr Bruder Stefan König kümmert sich um das Geschäftliche und Lene König, die eigentlich Journalistin ist, um die Designs: schlichte Schnitte, satte Farben, weiche Stoffe auf Baumwollbasis, die in ihrer Kombination bequeme, praktische Kinderkleidung ergeben. Und um völlig sicher zu gehen, testet Königs dreijährige Tochter regelmäßig Musterteile zu Hause beim Spielen. „Wenn sie ein Kleidungsstück sofort ausziehen möchte“, sagt König, „weiß ich, dass noch etwas geändert werden muss“. Kein komplizierter Prozess, da die Musterteile in ihrem Laden genäht werden.
Fertigen lässt die gebürtige Dresdnerin in der Oberlausitz. Da gebe es keine Kinderarbeit. Und sie könne soziale Standards kontrollieren. Das sei ihr wichtig. Den Kunden auch. Die kommen vor allem aus
der Lifestyle-Ecke: „Mütter mit modischen und ethischen Ansprüchen“ aus dem Kiez. „Die möchten zuallererst wissen, wo die Sachen hergestellt sind.“
Fünf Kilometer weiter östlich in Friedrichshain, haben die Modedesignerinnen Ina Langenbruch (40) und Gabi Hartkopp (44) auch ihr ganz individuelles Ökoverhalten entwickelt. „Alte Textilien, neu genäht“, so beschreiben die zwei Frauen das Motto ihres Labels Dollyrocker. Material gäbe es nämlich schon genug. Und das wolle wieder verwendet werden. Also suchen sie in Second-Hand-Läden und auf Flohmärkten nach gut erhaltenen Stoffen und nähen neue, bunte Shirts, Pullover, Kleider, Hosen und andere Dinge für Kinder bis 8 Jahre.
Ihr Atelier, das sich genau neben dem kleinen, hellen Showroom in Friedrichshain befindet, ist voll mit kunterbunten Stoffen: Bis unter die Decke stapeln sich T-Shirts, Strickpullis, Fleece-Jacken, Handtücher, Bettwäsche und Blusen in leuchtenden Farben. Gestreift, kariert, einfarbig, geblümt. Viel Material für freche Kindermode: Aus den Ärmeln eines Herrenoberhemdes entsteht eine luftige Kinderhose, aus einem Samt-Pullover und einer Strickjacke ein Kapuzenpulli. Jedes Teil ist ein Unikat, unabhängig jeglicher Trends. „Uns interessiert nicht, ob lila oder rosa gerade in ist“, sagt Gabi Hartkopp. „Unsere Sachen sind einfach bunt. Das mögen Kinder.“
Langenbruch und Hartkopp nähen alles selbst: neben Kleidung auch bunte Stofftiere, Pucksäcke, Mützen, Krabbeldecken. Ihre Kunden kommen aus allen Einkommensschichten, die Preise sind erschwinglich: ein Kleid kostet, je nach Größe, ungefähr 40 Euro, ein langärmliges T-Shirt 25 Euro. „Wer wenig Geld hat, leistet sich eben nur zum Geburtstag ein Kleidchen“, sagt Ina Langenbruch. Das ökologische Bewusstsein sei auch bei ihren Kunden groß, so Hartkopp. „Die Leute wissen, dass neue Kleidung oft stark mit Schadstoffen belastet ist.“ Gebrauchte dagegen nicht. Die sei ausgewaschen. Für Dollyrocker hat sich das als großes Plus erwiesen.
bubble.kid, Rosa-Luxemburg-Str. 7, Mitte, www.bubblekid.de
Dollyrocker, Gärtnerstr. 25, Friedrichshain, www.dollyrocker.de
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