Magazin - Titel: Nichts ist richtig leicht

Foto: Christoph Eckelt
Dirk Pilz
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Der Film kam im Tresor. Höchste Geheimhaltungsstufe. Die Synchronregie durfte ihn sehen, die Synchronspieler sahen dagegen eine schwarze Leinwand, in der sich kleine Fenster mit sprechenden Mündern öffneten. Ohne die Mimik, die Augen, die Gestik zu kennen, hat Benjamin Völz seinen Keanu Reeves in Matrix – Reloaded spielen müssen. Die Verleihfirma fürchtete Schwarzkopien und glaubte sich auch vor den Synchronstudios nicht sicher.

Lächerlich, findet Völz. „Adventskalender“ nennt er spöttisch die Synchronvorlage für den Fortsetzungsfilm des gigantischen Erfolges von Matrix. Keanu Reeves ist Benjamin Völz’ liebster unter all den Schauspielern, denen er seine Stimme leiht. Und das sind eine Menge: James Spader, David Duchovny, Charlie Sheen und Matthew Modine zum Beispiel. Weit über 500 Rollen hat Völz inzwischen synchronisiert. Er hat nämlich früh angefangen, als Kind schon.

Sein Vater ist Wolfgang Völz, einer der beliebtesten deutschen Fernsehschauspieler und zudem die Stimme von Mel Brooks, Walter Matthau, Sir Peter Ustinov und natürlich Käpt’n Blaubär. Die Schwester Rebecca synchronisierte früher auch, schrieb Dialogbücher, führte Regie im Synchronstudio. „Da wächst man dann so hinein“, sagt Benjamin Völz. Auch in die Schauspielerei. Obwohl er nie eine Schauspielschule besucht hat, spielte er reichlich TV- und Kinofilme – bis ihm vor rund 15 Jahren die Lust an der Arbeit vor der Kamera verging.

Benjamin Völz war vorher schon lieber Ben Gash. Ben Gash, der Musiker und Maler. Es ist sein eingetragener Künstlername, unter dem er gemeinsam mit Kerl Fieser erste Platten aufnahm, das Label A.R.M. gründete und 1980 für acht Wochen in den Top Ten der Berliner Indie-Charts war. Die Musik hat der Berliner inzwischen wieder aufgegeben, um sich seiner Familie und der Malerei zu widmen. Es sind farbintensive, expressionistische Bilder, die er malt. Stadtansichten, Menschengruppen, öfter auch religiöse Motive. Er hatte einige Ausstellungen, von der Kunst leben aber könnte er nicht.

Auch deshalb das Synchronisieren. Es ist ihm „Mittel zum Zweck“. Benjamin Völz hat eine wohltuende Distanz zum Filmbetrieb, wahrscheinlich weil er lange genug dabei ist und sich den Spaß nicht verderben lässt. Den Spaß an einer Serie wie Akte X etwa, in der Völz David Duchovny spielt.

„Ich mag die Professionalität im Studio“, sagt Völz. Der Mittvierziger kann stundenlang über einzelne Szenen und Stimmlagen sprechen. „Nichts“, ist seine Antwort auf die Frage, was ihm besonders schwer falle. „Nichts ist richtig leicht, nichts richtig schwer.“ Seit der Erfahrung mit dem „Adventskalender“ ärgert er sich auch über nichts mehr. Dass die Macht der Verleiher, ihre Angst vor Raubkopien immer absurdere Blüten treibt, mag mitunter das Problem von Benjamin Völz sein. Das von Ben Gash ist es nicht.


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