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- 25.02.2007
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Magazin_Thema: Die bessere Stadt ist möglich! Heute: Im Hansaviertel
Für Visionäre von gestern? Für Familien von morgen! Foto: Franziska Schmidt (aus Gabi Dollf-Bönekämper/Franziska Schmidt: Das Hansaviertel, Verlag Bauweseen, S. 155)
Im Hansaviertel - Stadtrand im Zentrum
Berlin muss fit werden für Familien mit Kindern. Es geht nicht um patriarchalischen Gebärdruck oder darum, dass Kinder Spaß machen können und besser jung halten als alle Fitnesskurse. Eine Stadt ohne Kinder stirbt schlichtweg – sozial, ökonomisch, kulturell. Um aber familienfreundlich zu sein, genügt es nicht, Kreuzberg als idealen Schulstandort zu preisen und Spielplätze aufzumöbeln (derzeit in Mode: zackig- folterstuhlgleiche Spielmöbel wie etwa an der Zehdenicker Straße). Es muss ein grundsätzliches Umdenken stattfinden. Straßenbahnen etwa sind ökologisch sinnvoll und extrem kinderfreundlich. Sie abzuschaffen ist also familienfeindlich. Genau so wie Bars, Biergärten und Rummel an jeder Ecke, die sich Tourismusmarketing und viele Politiker wünschen, Familien aber systematisch aus der Innenstadt vertreiben: Musik und lärmende Gäste bis spät in die Nacht vertragen sich nicht mit schulpflichtigen, also termingebunden schlafenden Kindern.
Sollen die doch an den Stadtrand ziehen, klagen Nachtaktive. Da kann man die Kleinen in den Garten schicken, ohne sich über Abzocker, Autoverkehr oder Anmache zu sorgen. Doch ist erstens der Zusammenhang zwischen Grün und sozialem Glück nicht beweisbar und zweitens das Häuschen im Grünen meist unerschwinglich. Vor allem aber: Vorstädte sind eine Ökokatastrophe. Nötig sind also verdichtete und trotzdem grüne, familienfreundliche Wohnquartiere in der Innenstadt. Keine neue Vision. Man sehe sich das Hansaviertel an, Resultat der Internationalen Bauausstellung von 1957. Locker stehen die Häuser im Grünen, ohne völlig die Idee von Stadt aufzugeben, es gibt Türme, Wohnriegel und Atriumhäuser. Versprochen wird individuelle Freiheit und soziale Einbindung mit Bibliothek, U- und S-Bahn, Theater, Einkaufszentrum. Selbstbewusste Singles – so manche Dame wohnt hier noch, die sich stolz Fräulein nennt – und Großfamilien lebten hier von Anbeginn an.
Aus ökologischer und energetischer Sicht ist jedes massierte Mietshausviertel des 19. Jahrhunderts solchem aufgelockerten Städtebau überlegen. Doch er steht für eine soziale Vision: Für eine Innenstadt, in der man mit Kindern wohnen kann, ohne gleich ein superteures Town-House zu kaufen. Wir sollten eine neue Interbau wagen, eine mit dem Leitthema kinderfreundlicher, ökologischer Stadtbau. Fläche gibt es genug. Etwa den Spreebogen nördlich von Kanzleramt und Bundestagsbauten. Dies grausige Abstandsgrün gehört bebaut, das ist ökologisch, sozial und stadtökonomisch sinnvoll. Die Bundesbauten erhielten endlich eine städtebauliche Proportion. Und man könnte einige Ideen von 1957 weiterstricken. Stichdatum 2012 – 55 Jahre Hansaviertel.
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