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- 27.02.2007
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Magazin_Thema: Die bessere Stadt ist möglich! Heute: Rangierbahnhof
Unkraut? Spontannatur! Beißt sich fest, wo es ihr gefällt. Foto: Nick Ash
Auf dem Rangierbahnhof – Bienen und Kräuter
Es gibt Orte in Berlin, da verliert man den Glauben daran, dass die Stadt tatsächlich für Menschen gebaut wurde. Das Tempelhofer Ufer, an dem die zitty-Redaktion liegt, ist so ein Ort. Morgens, mittags, abends dröhnt der Verkehr auf der Straße. Wenn ich mit dem Fahrrad in die Redaktion komme, stelle ich mich manchmal vor den Spiegel und zähle die Rußpartikel in meinem Gesicht. Heute waren es fünf, die ich mit bloßem Auge erkennen konnte.
Aber dann sind da auch die anderen Orte, wo die Stadt fast unmerklich zu etwas Anderem, Grünerem wird. Der vielleicht schönste Begriff, den die Forschung zur Stadtökologie hervorgebracht hat, ist der von der „städtischen Spontannatur“. Städtische Spontannatur wartet nicht darauf, dass die Menschen Blumenkübel aufstellen. Sie beißt sich einfach fest, wo es ihr gefällt. Zur städtischen Spontannatur gehören die Füchse, die bis zum Abriss im Palast der Republik wohnten. Dazu gehören die mehr als 140 Singvogelarten, die in Berlin ihre Nischen gefunden haben. Und dazu gehören all die Bäume, Sträucher und Blumen, die hier niemals wachsen würden, gäbe es nicht windstille, von den umliegenden Häusern gewärmte Ecken und Winkel.
Obwohl sie ihn eigentlich gar nicht braucht, hat die städtische Spontannatur auch einen eigenen Park. Das Schöneberger Südgelände am S-Bahnhof Priesterweg war früher ein Rangierbahnhof. 1952 wurde er stillgelegt. Alles blieb, wie es war. Nicht nur die Schienen, auch Drehscheibe, Wasserturm und sogar eine alte Dampflok blieben einfach stehen. Die Züge gingen, es kamen Flora und Fauna. Alleine 95 Wildbienenspezies und Hunderte von Pflanzenarten sind heute auf dem schmalen Gelände südlich des Südkreuzes heimisch. Darunter viele, die es sonst nirgendwo in Deutschland gibt – die Güterzüge haben ihre Samen einst aus fernen Ländern mitgebracht. Rund um den alten Bahnhof lärmt die Stadt, rauschen ICEs und S-Bahnen vorbei. Penibel werden ihre Gleise gepflegt, wird hektoliterweise Unkrautbekämpfungsmittel vergossen. Wenn man sie nur ließe, könnte die Spontannatur den grauen Schotter sofort begrünen.
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