- Artikel
- 05.03.2010
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Toni Mahoni über Toni Mahoni: »Arbeit muss sein, wa?«
… Toni Mahoni
Ich bin Toni Mahoni. Zurzeit bin ich 33. Ich widme mein Leben dem Genuss meiner Erdenzeit und dem Versuch, anderen meine Sicht aufzudrücken. Deswegen texte ich, singe und erzähle Geschichten über profane Glücksmomente wie Rausch, Liebe und saftiges Fleisch. Mein Lieblingsprojekt ist der Klub Mahoni, der alle zwei Monate im BKA stattfindet. Ansonsten jobbe ich als Tagelöhner und baue Pokale aus Knetmasse. Sowie ich Kohle zusammen habe, fahre ich in den Urlaub. Nächsten Monat gehe ich allerdings erstmal mit meiner Band auf Tour durch die BRD.
… Kaffee
Kaffee ist sehr wichtig für mich. Sogar heute, wenn ich mit einem schlimmen Kater aufwache und der Magen eigentlich sagt: „Komm, trink mal ein Teechen“, dann kommt der Beutel im letzten Moment doch nicht in die Tasse, sondern Kaffeepulver. Also, es geht einfach gar nicht anders, ich liebe Kaffee.
… Kippen
Kippen auch! Aber das ist gerade schlimm, weil das jetzt so Thema ist. Viele von meinen Freunden sind infiziert worden und Nichtraucher geworden, oder sie denken zumindest darüber nach. Das nervt mich gerade ein bisschen, dass ich anfangen muss darüber nachzudenken, weil alle Welt darüber nachdenkt, laut. Aber es gibt ja auch tolle Vorbilder, uralte Leute und die rauchen noch. Also, man muss nicht unbedingt aufhören.
… Arbeit
Ach ja, muss sein, wa? Es geht leider nicht nur mit CD verkaufen, da kommen ein paar Piepen rum, aber wir sind ja auch zu viert in der Band. Ab und zu kannst du dir davon dann mal eine CD von jemand anderem kaufen, aber ansonsten muss man arbeiten gehen, irgendwas muss man machen.
… Knete
Ja, Kneten! Das ist auch so ein Job, den ich gerne mache! Mit Knete arbeite ich seit 1997. Ich hatte irgendwann mal Lust einen Knetfilm zu machen, da habe ich mich mit einem Kumpel, der Kameramann ist, eine Woche eingeschlossen. Am Ende hatten wir eine Minute Film. MTV wollte das dann haben und eine Serie daraus machen. Wir haben ausgerechnet, was das kosten würde, wenn wir da stundenlang sitzen… – und es war Sommer! Wir haben dann einen unglaublich hohen Preis gefordert, darauf wollten die es nicht mehr haben. Und da war ich auch froh drüber.
Trotzdem hatte ich noch Lust zu filmen, aber mit Knete war das zu langwierig. Und habe dann angefangen, mich selbst zu filmen, das ging schneller. So war das, dann hab ich diese Videos ins Internet gestellt.
… Hochdeutsch
… liebe ich sehr! Das ist auch in meinem Buch ein Thema. Alle in der Familie meiner Freundin haben so eine schöne Sprache. Da höre ich mit offenem Mund zu, wie sie da mit dem Genitiv so verschwenderisch umgehen. Und diese gepflegte Sprache hat mich total fasziniert. Ich muss ja auch zugeben, dass ich ja gar nicht so auf meinen Berliner Dialekt bestehe. Ab und zu rutscht mir auch schon mal ein Genitivchen raus. Passiert!
… Oberschöneweide
25 Jahre habe ich dort gewohnt, das war mein Horizont. Als ich dann in die Stadt nach Friedrichshain gezogen bin, da war das eine ganz neue Welt. Im Nachhinein muss ich sagen: Ist schon ganz schön geil gewesen in Oberschöneweide. Man staunt, was dort für Kultur- und Baudenkmäler stehen. Ich war ganz schön verwöhnt von den Gründerzeitbauten und wunderschönen Fabriken. Ich bin echt geschockt, wenn ich in Restberlin bin und sehe, was es dort für beschissene Häuser gibt.
… Begrüßungsgeld
Das meiste davon haben meine Eltern einkassiert. Meine Mutter hat mir davon leider so eine Jeansjacke gekauft …mit Pelz. Und hinten stand ganz groß „USA“ drauf. Die habe ich einmal auf dem Schulhof angehabt und dann nie wieder. Vom Rest habe ich mir einen Döner in Neukölln, Herrmannstraße geholt. Da sind wir rumgerannt und ich war ganz enttäuscht. Ich hatte mir das alles nobler vorgestellt: Das war so ein Pixi-Traum-Wunderland, was mir da vorgeschwebt ist, wo alle freundlich sind und sagen „kommen se’ rein“ und dann gibt’s goldene Bonbons. So wie man sich jetzt vielleicht Dubai vorstellt, mit Glitzer und Türmchen. Das war es halt nicht, das war halt West-Berlin, so ein miefiger runtergekommener 70er-Jahre-Scheiß. Das war ein richtiger Schock. Aber der Döner war gut.
… Bademäntel
Jaja, ich hatte mal ein WG-Mitglied, der Pierre Robert aus meiner Band, der hatte wirklich immer einen zerfledderten, grünen Bademantel an. Er hatte wohl selten Grund raus zu gehen, oder hat jemanden geschickt. Das erinnert mich an diese unbeschwerte Zeit: Wir hatten nichts zu tun, haben die Sinnlosigkeit zelebriert und mit wenig Geld gut gelebt. Und der Bademantel war immer dabei.
… Hausbesetzerszene
Da habe ich früher immer so beigewohnt, sage ich mal, und hab mir angehört, was die sich da so denken: Na klar, die Häuser gehören allen, was soll das Besitzding? Ich habe aber eher gelauscht, ich war auch noch zu klein. Als ich 14 war, da gab’s dann eine Art Tourismus. Nach der Schule haben wir uns gesagt: „Weißt du was? Da und da ist ne Barrikade, lass mal hin.“ Aber wehe, wenn’s brenzlig wurde. Wir konnten uns nicht gefangen nehmen lassen, sonst hätte sich Mutti Sorgen gemacht. Das war diese Zeit. Aber das ist mir dann irgendwann ganz schön auf den Sack gegangen. Die Leute haben einfach zu viel gesoffen, da war das nur noch ein Meinungsbrei und nicht mehr viel dahinter.
… Simon-Dach-Straße
Das ist schon wieder soweit, dass es mich nervt, dieses Thema überhaupt auszuwalzen. Es ist ja nicht so, dass die Simon-Dach-Straße die einzige Straße in Berlin ist. Und auch dieses Ost-Gelaber von wegen „das ist unser Berlin“, das gefällt mir alles nicht. Ich bin eher für ein offenes Berlin. Wenn sich da gerne Schwaben einnisten, dann hab ich da nichts dagegen. Es gibt genug Ecken in Berlin, wo das absolut nicht der Fall ist, wo dir dann wieder andersrum auffällt, dass es eigentlich ganz gut ist, wenn du was Buntes hast.
… Heiraten
Also Heiraten ist irgendwie so ein romantisches Ding, das würde ich auf jeden Fall mitmachen. Ich würde dann auch nicht denken, dass mich niemals eine Scheidung erwischt, sondern ich würde einfach mal gerne geheiratet haben. Ich würde gerne einen rosa Anzug tragen mit einem blauen Drachen draufgestickt. Da find mal die Richtige, die das zulässt!
… Toni Mahoni in 40 Jahren
Dann bin ich ja noch viel älter als jetzt schon. Aber ich glaube, ich habe da was Zeitloses gefunden mit dem Labern und der Mucke, die ich da mache. Das ist alles ein bisschen jazzy und bluesy. Das kannst du eigentlich immer bringen. Dann bin ich halt ein alter Sack…
… Italiener, die Singvögel essen
Die Schweine! Die sind so gemein! Und die Vögel sind doch so klein, das ist so sinnlos. Aber das ist eine Tradition, dass kriegst du nicht aus den Leuten raus. Die Oma macht dann echt Singvogeleintopf. Eine italienische Freundin von mir wollte mir das auch mal erklären, warum das einfach so dazugehört. Aber ich verstehe es echt nicht. Man, dann sollen die doch ein Schwein essen. Das ist doch so unverhältnismäßig! Wenn du ein Schwein isst, dann tötest du ein Schwein. Für die Menge an Fleisch, wie viele Wesen, wie viele kleine Vögelchen musst du da töten? Das ist herzlos, und die piepen doch so süß. Und haben so kleine schwarze Äuglein.
… Weltfrieden
Kommt…noch. Wir arbeiten ja alle dran. Oder? Ihr doch auch.
Neues Buch: „Gebratene Störche“. Galiani, Berlin 2010. 222 Seiten, 14,95 Euro
Neue CD: „irgendwat is immer“. ROOF Music, Bochum 2010.
Klub Mahoni: 26. Februar, 20 Uhr, Buch- und CD-Release-Party im BKA, Mehringdamm 34, Kreuzberg,
Eintritt 12-20 Euro, www.tonimahoni.com
Hier das erste Kapitel aus seinem Hörbuch "Gebratene Störche" von Mahoni selbst gelesen. downloaden
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