Muttersprache Mameloschn
URAUFFÜHRUNG - Steil gings nach oben für das neue Dramatikerinnenwunder Marianna Salzmann. Kaum der Schreibschule der UdK entschlüpft, gibt es schon eine Uraufführung am DT. Und die aus Moskau stammende Autorin, die das Deutsche aber besser zu gebrauchen weiß als viele hier Geborenene, ist tatsächlich eine gute. Das zeigt sich auch an diesem Drei-Generationen-Stück über Frauenleben in den Zeiten von Diktatur und Demokratie, zwischen Wunscherfüllung und Wunschentsagung. Eintritt 16, erm. 6 Euro.
zitty-Kritik
SMan könnte es als ein Nischenstück ansehen, was Marianna Salzmann hier geschrieben und Brit Bartkowiak inszeniert hat: Drei jüdische Frauen, Großmutter, Mutter und Tochter, reden über Jüdischsein in der vergangenen DDR und dem gegenwärtigen New York. Sie haben als Schattenriss noch das Kibbuz-Klischee von Israel – vertreten durch den körperlich abwesenden, aber durch Sehnsüchte stets gegenwärtigen Bruder, Sohn und Enkel – im Kopf.
Dennoch ist es kein Nischenstück. Denn die drei Frauen verhandeln – zum Teil sehr erbarmungslos – miteinander, was Lebensglück bedeutet, worum es sich zu ringen lohnt und was dies an Kollateralschäden für andere mit sich zu bringen droht. Ideologien werden auf den Prüfstand gestellt. Das betrifft vor allem die Großmutter Lin Jaldati, deren Leben anhand ihrer Biografie als Holocaust-Überlebende und später in der DDR hofierte und als Kulturexportartikel gebrauchte Jiddisch-Sängerin nachgezeichnet ist.
Das Leben im Schatten eines solchen Stars wird ausgeleuchtet, die mangelnde Zuwendung, die das Kind erfuhr, das sich eine Generation später als Mutter angesichts der Flucht ihrer Tochter den Vorwürfen und Selbstzweifeln, ebenso versagt zu haben, ausgesetzt sieht. Diese Drei-Generationenabrechnung macht denn auch den größten Reiz des Abends aus. Was als scharfer individueller Konflikt erscheint, wird im zeitlichen Längsschnitt zwar nicht aufgehoben. Aber etwas an Härte und Unduldsamkeit wird genommen – und eine gewisse Einsicht in die zyklische Dynamik von intergenerationellen Kämpfen erfolgt. Ein lebenskluges Stück von einer jungen Autorin, klug inszeniert und gespielt von drei Frauen mit Lust an schelmischer Konturierung der Figuren. Tom Mustroph
7., 25.+28.10., 20 Uhr, Kammerspiele des DT (Box). Regie: Brit Bartkowiak; mit Gabriele Heinz, Anita Vulesica, Natalia Belitski. Eintritt 12-16, erm. 6 Euro
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