Technotage: Nach der Berlin Music Week kommen die Berlin Music Days
Er hatte bereits überlegt, die Sache sterben zu lassen. Keine Berlin Music Days mehr, kein Stress mit dem Groß-Rave Fly BerMuDa, der zwar hinsichtlich der 13.000 Besucher ein Erfolg war, aber auch einiges an Risiken mit sich brachte. Steffen Hack braucht die Berlin Music Days nicht. Sein Club Watergate läuft auch so.
Aber da gibt es noch die Worte Ehrgeiz und Herausforderung. Und das Gefühl, etwas tun zu müssen, damit die Berliner Clubkultur endlich ernst genommen wird. „Die Clubs werden benutzt für das Tourismus-Marketing, in der Realität stören wir, wenn es um kapitalistische Interessen geht“, sagt Steffen Hack. „Wir sind aber mehr als ein Spaßprogramm für Touristen.“
Auf den Berlin Music Days (BerMuDa) präsentieren sich mehr als ein Dutzend Plattenfirmen, in 40 Clubs wird gefeiert. Die BerMuDa wurden gegründet, als die Popkomm unterging. Parallel zur ähnlich klingenden Berlin Music Week. Ein Umstand, den auch Hack als unglücklich bezeichnet. Zwei Festivals, die das gleiche wollen: Berliner Musik fördern.
„Aber“, sagt Stoffel, „wir haben uns aus der Szene heraus entwickelt, ohne Unterstützung aus der Politik, die nur so tut, als ob sie an der Clubkultur Interesse hätte.“ Die Berlin Music Week leide unter ihrer Abhängigkeit von Fördermitteln, könne weniger frei agieren, sagt Hack. Daher sei ein Zusammengehen für ihn undenkbar. „Die Situation wird für die Clubs nicht besser. Da werden wir in ein paar Jahren froh sein, wenn wir BerMuDa als Sprachrohr haben.“
Aber längst nicht alle Clubs wollen sich unter dem vom Watergate aufgespannten Schirm versammeln. Das Berghain hält sich wie gehabt aus öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen heraus, und beim Suicide Circus ist man der Meinung, dass es Hack vor allem um das Pushen des Fly BerMuDa Festivals gehe, nicht um die vielen kleinen Club-Gigs drumherum.
Steffen Hack lässt sich davon nicht beirren: „Kein Club ist gezwungen mitzumachen, aber jeder kann mitmachen, wenn er aus dem elektronischen Musikbereich kommt.“ Und auch wenn die Organisation der Berlin Music Days ziemlich viel Stress mit sich bringt, eins macht Hack sichtlich Spaß: „Ist schon ein geiles Gefühl, eine Party für 13.000 Menschen auf die Beine zu stellen“, sagt er.
BerMuDa: 31.10.-3.11., www.bermuda-berlin.de
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