Der Name der Rose oder sie glaubten an Gott und waren des Teufels
Trash-Puppentheater
Gefühlt sind sie derzeit überall zu sehen, die Puppenspieler von Das Helmi, längst nicht mehr nur an ihrer Heimstätte, dem Ballhaus Ost. Hier aber geben sie munter Buch- und Filmklassikerbearbeitungen zum Besten. Unvergesslich verfilmt hat Jean-Jacques Annaud 1986 das Meisterwerk von Umberto Eco. Im Film sind es Sean Connery als William von Baskerville und Christian Slater als dessen Novize Adson, die in einem Kloster einer komplexen Verbrechensserie auf die Spur kommen und sich dabei ein bisschen wie Sherlock Holmes und Watson verhalten. Jetzt sind es die göttlichen Helmi-Jungs und ihre Teufelskerle in Puppengestalt.
zitty-Kritik 14/2012
Wenn sich das anarchische Puppentheater Das Helmi ins Kloster begibt, gibt es Tote und Sex jeder Art. Während das Morden noch weitgehend der Handlung des Bestsellers von Umberto Eco folgt, sind die sexuellen Praktiken ein originärer Zusatz. Keinesfalls ein origineller, hat sich die katholische Kirche mit der Melange aus Zölibat und Missbrauch doch seit langem als Zerrbild eines Sündenpfuhls empfohlen. Sehr sympathisch aber, mit welcher Freude am eigenen Schabernack die Spieler dabei noch die europäische Geistesgeschichte von Aristoteles bis hin zu den Agnostikern des Mittelalters durchwandern.
Fast genial schon, wie einfach die komplexe Erzählung Ecos eingedampft wird und mit zwar reduziertem, aber immer noch mehr als ein Dutzend Schaumköpfe umfassendem Figurenarsenal die groben narrativen Linien sichtbar bleiben. Der Showdown zwischen Kaiser und Papst lässt Gedanken an aktuelle G20-Gipfel aufkommen und weil eine zentrale Botschaft des Buches – Lachen ist gefährlich, weil es Gott überflüssig machen könnte – noch übermittelt wird, ist diese Trash-Version sowohl für Eco-Liebhaber wie für Nichtleser geeignet. Schade nur, dass sich die Helmis mittlerweile mit ihrer professionellen Unprofessionalität zufrieden geben.
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