PORTRÄT

Die Klischee-Aufspießerin

Die junge Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Nora Abdel-Maksoud nimmt sich in ihren satirischen ­Stücken gerne den Kulturbetrieb vor.  Jetzt inszeniert sie am Maxim Gorki Theater ihr Stück „The Making-of“
Text: Regine Bruckmann

Mag keine Rollenstereotype: Nora Abdel-Maksoud – Foto: F. Anthea Schaap
Mag keine Rollenstereotype: Nora Abdel-Maksoud – Foto: F. Anthea Schaap

Ein Wintermorgen an der Rummelsburger Bucht. Die Sonne strahlt hier besonders hell auf die Spree, auf der Probebühne im alten Gewerbehaus arbeitet das Team um Nora Abdel-Maksoud. Die junge Regisseurin, Autorin und Schauspielerin hat in wenigen Jahren in Berlin und München eine markante Spur hinterlassen.

Sie spielte im Erfolgsstück „Verrücktes Blut“ und in Sebastian Nüblings furioser ­Sibylle-Berg-Uraufführung „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ am Maxim Gorki Theater. Geschrieben und inszeniert hat sie am Ballhaus Naunynstraße sehr erfolgreich „Hunting von Trier“, das auch in einer Hörspielfassung im Deutschlandradio Kultur gesendet wurde, sowie die Farce „Kings“ – die „skurrile Satire über den überspannten Kulturzirkus“ wurde von der Kritik gelobt und vom Ballhaus mehrfach wiederaufgenommen.

Ihre Themen findet Abdel-Maksoud häufig im Kulturbetrieb und seinen Rollenbildern: verkappte Künstler und gescheiterte Helden, Ehrgeizlinge und eitle Diven, Bösewichte und blonde junge Dinger.

Sie selbst erscheint beim Gespräch fröhlich, motiviert, voller Energie. Jeansjacke, dunkel wippende Locken, Woll-Pulli, kleine Stiefel. Sie lacht viel, rau und kindlich zugleich, und so, von gewissen Widersprüchen geprägt, scheint auch die ganze Person: „Ich bin ja noch junges Gemüse“, sagt sie über sich, ein bisschen verschämt, dass sich die Presse überhaupt für sie interessiert.

Andererseits ist sie in ihrer Arbeit ganz bestimmt: „Figuren entwickeln, Figuren schreiben, Figuren auf die Bühne bringen – da ich das in Personalunion mache, habe ich schon eine ziemlich klare Vorstellung davon, was ich gerne hätte.“

Gegen Rollen-Stereotype

Nach dem Abitur hat die heute 33-Jährige versucht, Psychologie zu studieren, aber schnell gemerkt: „Da muss eher etwas raus als rein.“ Und wo lernt man besser, Figuren zu entwickeln oder sich anzueignen, als auf der Schauspielschule? Also wurde es erstmal die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg. Seit 2009 arbeitet sie als freischaffende Schauspielerin.

Der arabische Nachname könnte auf eine falsche Spur führen. Die geborene Münchnerin (der Vater ist Tunesier, die Mutter kommt von der schwäbischen Alb) ist eine echte süddeutsche Pflanze. Und ein Paradebeispiel für die postmigrantische Realität unserer Gesellschaft, die die deutschen Stadtthea­ter erst langsam in Ensemble und Spielplan zu spiegeln beginnen – programmatisch und vorbildlich angeführt vom Berliner Maxim Gorki Theater.

In der Schauspiel-Ausbildung merkte Abdel-Maksoud schnell: „Ich werde wohl keine ­Beate oder Claudia spielen.“ Ihre Rollenangebote hießen Leila oder Esra. Bei einem Publikumsgespräch nach der Vorstellung von „Verrücktes Blut“, wo sie eine arabische Schülerin spielt, wurde sie gefragt: „Was sagt denn Ihr Vater dazu, wenn Sie auf der Bühne Ihr Kopftuch abnehmen?“

Womöglich hat sie deswegen schon auf der Schauspielschule angefangen, sich mit Rollen-Zuschreibungen zu befassen. In ihrer Abschlussarbeit ging es um weibliche Rollenbilder im Film. Und ähnlich ist auch das Thema ihrer neuen Produktion „The Making-of“ am Maxim-Gorki Theater, für die sie wieder als Regisseurin und Autorin verantwortlich ist.

Gescheiterte Superhelden

Ein Blick hinter die Filmkulissen eines großen deutschen Superhelden-Remakes: Ein männlicher Held, eine weibliche Hauptrolle und ein Bösewicht kämpfen darin mit ihren Rollen und dem damit verbundenen Erwartungsdruck. Dem Superhelden wird die Stimme tiefer gelegt, mit der Schauspielerin gibt es eine Diskussion über ihre Brüste und der ­Bösewicht, hier ein Schakal, soll irgendwann nicht mehr sprechen, sondern nur noch heulen – aus ­Authentizitätsgründen.

Nora Abdel-Maksoud ist ein bekennender Fan von Batman-Filmen wie „The Dark Knight“. Toll wäre es nur, so meint sie, wenn sie als Frau auch den Joker spielen könnte: „Meine Hoffnung ist, zu zeigen, dass alles gut wäre, wenn es keine Rolle mehr spielt, was man zwischen den Beinen oder welche Haarfarbe man hat.“

13.1. (Premiere), 14., 15. + 23.1., 20.30 Uhr, Maxim Gorki Theater – Studio Я, Am Festungsgraben 3, Mitte. Regie: Nora Abdel-Maksoud; mit Eva Bey, Mareike Beykirch, Stella Hilb, Till Wonka. Eintritt 15, erm. 8 €