PREMIERE - "Schiller, was will er?" braucht man nicht mehr zu fragen, wenn der hyperpathetische Klassiker mal wieder auf dem Spielplan steht. (Und dann mit einem Stück, von dem sich der Meister selbst distanziert hat.) Denn es inszeniert Antú Romero Nunes, der junge Starregisseur vom Gorki. Der hat mit Schiller einige Erfahrung gemacht, schleuderte ihn doch seine Adaption des "Geistersehers" in die Spitzenliga des Theatermachernachwuchses. Und mit Schauspielern wie Michael Klammer kann ohnehin kaum etwas schiefgehen. Eintritt 10-34, erm. 9 Euro.

Inhaltsangabe

Maximilian, regierender Graf von Moor, hat zwei Söhne, Karl und Franz. Karl, der älteste, studiert in Leipzig. Von dort erreichen Bruder und Vater beunruhigende Nachrichten von dessen leichtfertigen Streichen. Franz verstärkt diese Botschaften durch gefälschte Briefe, die Karl beim Vater in Misskredit bringen sollen. Der Plan scheint zu funktionieren.

 

zitty-Kritik

Schillers „Die Räuber“ ist Seelendrama und Räuberpistole zugleich. Im Maxim Gorki Theater entscheidet sich Regisseur Antú Romero Nunes für das Seelendrama als Räuberpistole, und um es gleich zu sagen: Es ist großartig! Nunes besitzt wohl selbst eine Räuberseele, denn er scheut nicht davor zurück, diese Großartigkeit wieder zu riskieren, sie in eine vorsätzliche Bodenlosigkeit stürzen zu lassen.
Seelendrama also. Jede Kränkung kann zum Anlass werden. Und Franz Moor ist ein vielfach Gekränkter. Ein Zweitgeborener und der Zweite ist er überall: bei den Frauen, in den Augen des Vaters und vor der Welt. Doch Franz Moor gedenkt das nicht länger hinzunehmen. „Die Räuber“ handeln davon, was geschieht, wenn ein ewiger Zweitplatzierter des Lebens beschließt, Erster zu werden.
Paul Schröder als Franz Moor ist ein Ereignis. Schon weil keine Bühne größer ist als die innere, spielt er den Vater, den gehassten Bruder, dessen Geliebte und alle anderen Figuren gleich mit. Ein hochvirtuoses Kammerspiel. Und das Unfassbare geschieht: Aenne Schwarz übernimmt von Schröder sämtliche Rollen, aber nichts bricht weg, nur die Tonlage wechselt, dunkelt sich ein, ohne an Raffinesse zu verlieren. Vor dem großartigen Auftritt von Michael Klammer lässt Nunes das ganze Thea­ter erzittern. Ein glänzender Übergang zum „Räuber“-Smalltalk, zur Tändelei, bevor sich alle wieder einschillern zum großen Finale.  Kerstin Decker

25.9., 19.30 Uhr, Maxim Gorki Theater. Regie: Antú Romero Nunes; mit Aenne Schwarz, Michael Klammer, Paul Schröder. Eintritt 10-34 Euro