Hartmanns Zwei

Die Bergmannstraße hält kulinarisch nur wenige Highlights bereit. Der Sternekoch Stefan Hartmann hat sich offensichtlich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Mit der Eröffnung des Restaurants „Neubau“ möchte er eine Gästeschicht erreichen, die einerseits kulinarisch anspruchsvoll ist, aber andererseits auch einfacheren Genüssen fernab der hochpreisigen Sternegastronomie nicht abgeneigt ist. Die kulinarische Reise beginnt mit einer Fahrt über die Rolltreppe des neuen Gesundheitszentrums, vorbei an Discountern und einer Apotheke, die auf einem Plakat Linderung bei Fußpilz verspricht. Wir nehmen Platz an einer langen Tafel im großzügig gestalteten Innenhof des Ärztezentrums. Die Terrasse ist stilvoll gestaltet, der Innenraum wirkt modern-nüchtern. Küchenchef Tilo Sachadä bietet zwei Menüs an, die man wahlweise zur Gänze oder in Teilen bestellen kann.
Die Weinkarte ist kompetent gestaltet und ausgesprochen gästefreundlich kalkuliert. Wir bestellen das Menü Zwei für 38 Euro sowie ein Gurken-Joghurt-Süppchen und ein extra für uns improvisiertes vegetarisches Pastagericht. Los geht es mit dem perfekt zubereiteten Eisbeincarpaccio mit Kürbiskernpesto und Staudenselleriesalat. Das macht Lust auf mehr. Die Penne Carbonara mit pochiertem Bioeigelb sind eine außergewöhnlich spannende Interpretation des Klassikers. Butterzart zerläuft das Eigelb über die schaumig geschlagene Sahnesauce, ein Streifen kross gebratenen Schinkens schlägt die Brücke zur klassischen Carbonara. Da das Schmoren zu den absoluten Stärken Hartmanns gehört, freuen wir uns besonders auf den nächsten Gang: geschmorte Rehschulter mit Frühlingslauch und Wacholdergnocci. Die ist sehr gut gemacht, wenn auch nicht ganz so perfekt saftig, wie wir es aus dem Mutterhaus, dem Hartmanns, gewohnt sind. Wie es sich für eine gute Inszenierung gehört, präsentiert Sachadä mit dem Dessert den finalen Höhepunkt eines nahezu perfekt zubereiteten Menüs. Das Aprikosen-Erdbeer-Süppchen mit Waldmeistereis ist ein wirklich würdiger Abschluss für einen sehr gelungenen Abend. Sternekoch Stefan Hartmann beweist wieder mal, dass er ein außergewöhnlicher Gastronom ist.     Bernhard Moser