Rummelsburg
zitty-Kritik 16/2011
Eine Burg hat es in Rummelsburg nie gegeben. Das Stadtviertel in Lichtenberg heißt erst seit dem 18. Jahrhundert so, benannt nach dem Wirtshaus Rummelsburg, das einem Weinhändler mit Namen Jakob Rummel gehörte. Gastronomische Tradition per exzellence, die aber, fährt man durchs heute unwirtliche Rummelsburg, eindeutig verloren ging. Wer den weiten Weg auf sich nimmt, der vermutet hinterm Ostkreuz zwischen Neubauten und Industrieanlagen kein Restaurant und schon gar keine Großstadtidylle.
Doch da, wo man es am wenigsten erwarten würde, auf dem ehemaligen Kohlelager des Kraftwerks Rummelsburg, versteckt sich eine feine Strandbar, ein Café del Mar an der Spree. Partygänger kennen das Gelände bereits von Open Air Events. Der House-Club Watergate hat hier gefeiert oder das Label Klangsucht. Doch die Rummelsburg ist kein elitärer Club, sondern ein unprätentiöser Ort für jeden, der hierher gefunden hat. Das Bier wird in Flaschen verkauft, den perfekten Sonnenuntergang am Wasser gibt es kostenlos dazu. Oder man zieht sich in „Nachbars Garten“ zurück, einer Wiese mit Baumbestand, abgetrennt durch einen weiß gestrichenen Holzzaun.
Dort kann der Gast selber den Grillmeister spielen, was dank „Weber-Kugelgrill“, dem Porsche unter den Feuerstellen, eine leichte Sache ist. Aufgrund seiner Haube wird das Grillgut indirekt gegart und meist saftig. Das Fleisch dazu wird hier an einem Stand verkauft, wie er sonst auf Märkten zu finden ist. In der Auslage liegen Argentinisches Hüftsteak, Filet, Rippchen vom Biohof Schafgarbe oder Lausitzer Bio Bratwurst, die Preise sind ebenfalls marktüblich. Als Beilage werden diverse Salate, Folienkartoffel oder hausgemachte Grillsoßen angeboten. Auch die Weinkarte überzeugt mit rund 16 Euro für die Flasche mit einem akzeptablen Preis-Leistungs-Verhältnis. Zwischendurch kann man zur Erfrischung in den Pool springen oder in thailändischen Strandbetten fläzen. Zum Glück muss am Ende keiner den Grill putzen. Die Sache hat nur einen Haken. Irgendwann muss man wieder zurück in die Stadt und die ist nicht nur gefühlt ganz schön weit weg. Martin Hildebrandt
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