In der Fleischerei Hoffmann ging im September zum letzten Mal Bierschinken und Mettwurst über die Ladentheke. Und auch im Geschäft Maaßen Zehn, wo sich die Jeans bis an die Decke türmten, leerten sich die Regale. Über 20 Jahre waren beide Geschäfte in der Schöneberger Maaßenstraße zuhause. Bis die Mieten zu sehr stiegen.
„Unser Mietvertrag ist ausgelaufen und der Kundenstrom war zu gering, um den Vertrag zu verlängern. Die Leute kommen nicht zum Shoppen, sondern zum Kaffeetrinken her“, erklärt eine Verkäuferin von Maaßen Zehn. Hier reiht sich Café an Imbiss und Imbiss an Eisdiele. Gegenüber von Maaßen Zehn und der Fleischerei Hoffmann sitzen Leute im Café Berio und nebenan im türkischen Restaurant Hasir. Cappuccino und Köfte laufen besser als Hackbraten und Lee-Jeans.
Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg will das jetzt ändern. Weil die Maaßenstraße eben auch ein Wohngebiet ist, soll in Zukunft für eine bessere Mischung aus Gastronomie und Einzelhandel gesorgt werden. „Es handelt sich um kein generelles Verbot, aber wir wollen die Entwicklung zur Vergnügungsmeile stoppen“, erklärt Sibyll Klotz, Bezirksrätin für Stadtentwicklung. Deshalb werden Anträge auf Umnutzung auf ihre Verhältnismäßigkeit geprüft und im Einzelfall abgelehnt.
Eine große Cafékette soll geklagt haben, weil sie die Räumlichkeiten der Fleischerei und von Maaßen Zehn nicht mieten darf. Sibyll Klotz will hierzu keine genaueren Angaben machen, sagt  aber, dass Umnutzungen bisher in zwei Fällen untersagt wurden.
Die Maaßenstraße liegt zwischen Winterfeldt- und Nollendorfplatz. Früher war das  ein alternativer Kiez. „Studenten haben drei Häuser in der Straße besetzt, heute gehören ihnen die Häuser“, erzählt Thomas Buttmi. Auch er ist seit 20 Jahren in der Straße. Sein Lotto-Laden läuft gut. Die Atmosphäre in der Straße habe sich aber schon verändert. „Wer auf dem Winterfeldmarkt Obst kaufen will, kommt erst ab 14 Uhr, da halbieren sich die Preise, weil die Touristen weg sind“, meint er. Von denen gibt es mittlerweile viele hier und Touristen trinken eben gerne Kaffee und essen gerne Döner. „Gentrifizierung nennt man das, oder?“, fragt Thomas Buttmi.