Man kann durchaus sagen, dass 1000 Robota eine große Band ist. Die drei Musiker besitzen einen Anspruch an sich selbst, der Außenwelt und -wirkung zunächst ignoriert. Sie hängen an ihrer Kunst, verteidigen deren Gültigkeit. Sänger Anton Spielmann ist eine Type. Seine Augen strahlen im Interview in Berlin, mit schneidiger Stimme sagt er sperrige, kluge Sätze, die ohne Gewese die Dinge auf den Punkt bringen. „Wir haben einen sensiblen Geist. Der möchte sich strukturieren. Der möchte probieren“, etwa, oder: „Wir brauchen kein Geld, wir haben unsere Vernunft.“
Gleichzeitig sind sie aber auch junge Menschen. Spielmann garniert die Ausführungen über seine eigene Bedeutung gerne mit Kommentaren zu denen, die er nicht so gut findet. Das  Deutschpop-Establishment, Bands wie Tomte oder Kettcar. „Gewohnheitstypen“ nennt Spielmann deren Musiker.
Der Dokumentarfilm „Utopia Ltd“ könnte nun die oft erzählte Geschichte sein: Eine junge Band will nach oben und muss dabei eine Reihe von Hindernissen überwinden. In diesem Fall heißen die Protagonisten neben Spielmann Sebastian Muxfeldt und Jonas Hinnerkort. Man lernt sie kennen, fängt an, sich für sie zu interessieren.
Doch so funktioniert das aber nicht. Denn zunächst einmal hält sich Regisseurin Sandra Trostel zurück. Sie vermeidet jede Wertung, aber auch jede Inszenierung. Über weite Teile des Films fahren 1000 Robota von A nach B, übernachten reichlich unglamourös und spielen auf Konzerten, deren erste Reihen schütter wirken. Einmal sind sie davon so angeödet, dass sie einer Gruppe von Punks den Eintritt bezahlen wollen, damit wenigstens irgendwas los ist vor der Bühne. Klappt nicht, die Punk-Kids lachen nur.
Das kann man schon verstehen: Sonderlich sympathisch sind 1000 Robota nicht, zumindest nicht im Film. Drei Teenager zwischen Kinderzimmer und Proberaum, die mit dem Bürgertum, aus dem sie stammen, so wenig zu tun haben wollen, dass sie in Kleinstadthotels nachts der Rezeptionsdame blöd kommen und im Zweifelsfall lieber durch die Wand als durch die Türe kommen.

Trauriger deutscher Pop
Andererseits ist diese Rotzigkeit in der deutschen Musikszene so selten geworden, dass sie unbedingt Sinn ergibt. Nicht wirtschaftlich, nein. Aber in punkto Positionierung: Deutscher Pop 2011, das ist oft genug eine traurige Veranstaltung. Die Laufbahn als Musiker wird immer mehr institutionalisiert, Bands scheinen mittelständische Unternehmen zu sein, die auf einen von den Plattenfirmen vorgegebenen Markt hin produzieren. Sie haben vor der ersten Veröffentlichung einen Wikipedia-Eintrag. Das kann man 1000 Robota nicht vorwerfen. Der Film „Utopia Ltd“ mag für Zuschauer ohne solche Hintergrundinformationen mitunter schwierig sein.
Aber einige Aspekte sind universal. Man beobachtet die Band schließlich dabei, erwachsen zu werden. Am Ende des Films nehmen sie ihr zweites Album auf. Die Produzenten geben ihnen mächtig kontra, und man erkennt, dass das drei junge Burschen vielleicht brauchen, so schrecklich das klingen mag. An anderer Stelle wirkt die Auseinandersetzung zwischen Pop-Establishment und Nachwuchsband hilflos: bei Tapete Records, jenem Indie-Label, bei dem 1000 Robota ihr Debüt veröffentlichten. Am Ende des Films verlassen alle Beteiligten die Bühne sichtbar beleidigt, aber ohne schlimme Blessuren.
Erwähntes zweites Album erschien übrigens im Herbst bei Buback Tonträger. Es heißt „Ufo“ und ist eine drängelnde, unruhige Platte. Spielmann selbst sagt im Interview dazu, dass man Angst gehabt habe, die Wut zu verlieren. Milde zu werden. Die Parties, die schlecht sind, zu verlassen, anstatt sie aufzumischen. Man sollte die Geschichte von 1000 Robota unbedingt weiter verfolgen.

Weitere Informationen: „Utopia Ltd.“, D 2011, 90 min