Inhaltsangabe

Brandon (Michael Fassbender) ist ein smarter New Yorker in den Dreißigern, doch hinter seiner attraktiven Fassade brodelt es. Als Ablenkung von seiner Alltagsroutine wirft er sich in ein exzessives Sexleben voll schneller Affären und One-Night-Stands. Sein gut kontrollierter Rhythmus droht zusammenzustürzen, als seine exzentrische Schwester Sissy (Carey Mulligan) vor seiner Tür steht und bei ihm einzieht.

zitty-Kritik 05/2012

Wohlhabend, gutaussehend, erfolgreich – nach außen hin ist im Leben des New Yorker Geschäftsmanns Brandon (Michael Fassbender) alles gut. Doch im Inneren des wortkargen Mannes brodelt es: Brandon ist sexsüchtig. Ob nun mit One Night Stands, Internetseiten oder Pornos – er ist ständig auf der Suche nach dem körperlichen Kick. Zu einer echten Beziehung ist dieser Mann nicht fähig, wohl auch nicht zu der hübschen und ihm nichtabgeneigten Kollegin Marianne (Nicole Beharie). Das Leben voller Heimlichtuerei und Abkapselung kommt durcheinander, als sich Brandons Schwester Sissy (mit einem wunderbaren „New York, New York“-Gesangsauftritt: Carey Mulligan aus „Drive“) in Brandons Wohnung einnistet. Die hat ihr Leben auch nicht im Griff.
Der britische Regisseur mit dem an die Hollywoodikone erinnernden Namen Steve McQueen geht bevorzugt ans Eingemachte. Und hat mit Michael Fassbender den passenden Schauspieler gefunden. Schon mit dem IRA-Knastdrama „Hunger“ loteten die beiden die Grenzen des Erträglichen aus. Nun geht Fassbender erneut ans schauspielerische Limit. Wie er mit wenigen Worten und vielen Blicken diesen bemitleidenswerten Charakter formt, das ist große Kunst. McQueen lässt seinem Star viel Raum, zusätzlich gelingt ihm ein virtuoser Umgang mit Distanz und Nähe. Mal scheint die Kamera förmlich in die Figuren hineinzukriechen, mal schaut sie kalt zu. So kalt wie jenes New York, das McQueen präsentiert. Nebenbei schwingt noch Kritik an jener Gesellschaft mit, die Typen wie Brandon hervorbringt. Martin Schwarz