The Artist (2011)
Inhaltsangabe
George Valentin ist "The Artist" im Stummfilm-Hollywood der 1920er-Jahre. Das Publikum liebt ihn und er liebt den Ruhm und die Frauen. Mit seiner Schützenhilfe schafft es sogar die junge Statistin Peppy Miller zu einem aufsteigenden Stern zu werden, der allerdings noch immer von Valentin überstrahlt wird. Doch als sich die Filmtechnik weiterentwickelt, wendet sich das Blatt. Valentins Tage sind gezählt und Peppy kann endlich aus seinem Schatten treten.
zitty-Kritik 03/2012
Hommage
Ein französischer Stummfilm in Schwarzweiß als großer Oscar-Gewinner? Was sich wie eine filmische Fantasie anhört, könnte in ein paar Wochen Wirklichkeit werden, wenn in Hollywood, trotz aller Veränderungen immer noch der Inbegriff für die Magie des Kinos, die Oscars verliehen werden. Es wäre ein passendes Finale für einen Film, der eine Liebeserklärung an die große Zeit des US-amerikanischen Stummfilmkinos ist.
Schauplatz ist Hollywood in den späten 20er-Jahren. George Valentin (Jean Dujardin) ist auf dem Gipfel des Erfolgs: Das Publikum liebt seine Stummfilme und den jungenhaften Charme des unverbesserlichen Draufgängers. Auch die Statistin Peppy Miller (Bérénice Bejo) ist vernarrt in ihn, doch noch hat George nur seine Karriere im Sinn. Die allerdings steht auf der Kippe, denn in der Traumfabrik bahnt sich eine Revolution an: Der Tonfilm wird eingeführt. Und wie so viele Stummfilmstars weiß auch George nichts mit der neuen Technik anzufangen. Während seine Karriere den Bach runtergeht und er sich in Selbstmitleid ergeht, entwickelt sich Peppy zum neuen Leinwandstar, die schließlich bald so berühmt ist, dass sie George die helfende Hand reichen kann.
Inhaltlich ist „The Artist“ eine Mischung aus „Singin’ in the Rain“ und „A Star is Born“, zwei der berühmtesten Filme über das Filmgeschäft, und auch optisch zitiert sich Regisseur Michel Hazanavicius munter durch die Filmgeschichte. Es ist eine wahre Freude, all die kleinen und größeren Zitate zu entdecken, von der Ähnlichkeit Dujardins zu Clark Gable oder Valentino über architektonische Anlehnungen an Fritz Langs Filme bis zu Schnittfolgen aus „Citizen Kane“. Doch „The Artist“ ist nicht einfach nur Kino aus zweiter Hand, nicht einfach nur eine clevere Aneinanderreihung von Zitaten. Dass liegt in erster Linie an den beiden Hauptdarstellern: Jean Dujardin und Bérénice Bejo wirken wie für den Stummfilm gemacht. Mit ihren markanten Gesichtszügen und ihren expressiven Gesten verkörpern sie auf ideale Weise die großen, meist einfachen Emotionen des Stummfilmkinos – ohne sie mit übertriebener Mimik zur Parodie verkommen zu lassen. Und darin liegt wohl der Grund verborgen, warum „The Artist“, obwohl er streng genommen keine wirklich eigene Idee hat, von ganz eigenständigem Wert ist: In jedem Moment, in jeder perfekt gefilmten Einstellung, jeder Mimik der Schauspieler, spürt man die Liebe fürs Kino, die Hazanavicius auf mitreißende Weise beschwört. Michael Meyns
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