The Tourist
Beschreibung
Der Amerikaner Frank reist durch Europa und trifft im Zug auf Elise. Nach einer gemeinsamen Nacht in Venedig verschwindet sie und Frank wird von russischen Killern und einer mit allen Mitteln agierenden Polizei gejagt.
Kritik
Überall sitzen sie: im parkenden Bus vor dem Pariser Café, an den Nebentischen. Mit dilettantisch gespielter Beiläufigkeit lugen sie hinter Zeitungen hervor. So geballte männliche Aufmerksamkeit ist selbst bei einer adretten Erscheinung wie Elise (Angelina Jolie) arg übertrieben. Jeder Blick, jedes Klackern ihrer Highheels, alles wird registriert – denn die Herren sind nicht (nur) aus hormonellen Gründen Elises wiegenden Hüften gefolgt. Die Dame ist im Visier der Polizei. Sie liebt den falschen Mann. Ihr Lover Alexander Pearce hat sich im Safe eines Großkriminellen bedient – und wenn er sich schon nimmt, was ihm nicht gehört, soll er doch bitte wenigstens Steuern zahlen.
Seit zwei Jahren ist Pearce auf der Flucht, fern von seiner Elise – bis er ihr an jenem Tag, in jenem Pariser Café einen Brief zukommen lässt: Sie soll in einen Zug nach Venedig steigen, einen Mann seiner Statur auswählen und die Verfolger glauben lassen, es sei Pearce. So streift Elise durch die Waggons, scannt die anwesenden Männer und entscheidet sich – wer würde es nicht verstehen – für Frank (Johnny Depp). Ein flirty Ping-Pong mündet in ein Essen im Bordrestaurant, und in Venedig angekommen schleift die willensstarke Fremde den stoffeligen Mathelehrer gleich mit ins Hotel. Prompt steckt Frank in einem Katz- und Mausspiel: Maus Frank hoppst über die wackeligen Ziegel von Venedigs Dächern, verfolgt von Gangstern und Polizei, verliebt in eine geheimnisvolle Frau, die immer verschwindet, wenn es prickelnd wird.
Dass Florian Henckel von Donnersmarck unterhalten kann, hat er schon mit dem Oscar-Gewinner „Das Leben der anderen“ – auf ganz andere Art – bewiesen. Und leidlich unterhaltend ist auch sein Hollywood-Debüt. Jolie, Depp, Venedig – eines schöner als das andere. Schön. Alles schön. Und sonst? Die Geschichte – gesponnen aus wesentlichen Handlungselementen des französischen Films „Anthony Zimmer“ – ist von der ersten Minute an so dermaßen vorhersehbar, dass schon vor der Auflösung logische Brüche auffallen. Der psychologische Dreh der Geschichte wird nicht genutzt, es bleibt beim Star- und Kulissenhype.
Aber auch das groß angekündigte erste Zusammentreffen der Superstars Jolie und Depp mag nicht funktionieren. Die „unglaubliche Chemie zwischen Angelina und Johnny“ sei einer der Gründe gewesen, warum er den Film drehen wollte, sagt Henckel von Donnersmarck. Leider ist von dieser Chemie nichts zu spüren, die beiden spielen aneinander vorbei, die holprigen Flirt-Dialoge wirken wenig glaubhaft. Langweilig ist das alles nicht – aber auch nicht erhellend. Wie zwei hübsche Flipperkugeln schießen Elise und Frank durch Venedig. Und Venedig ist so schön. Sowas von schön.
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