This Is How It Goes
Inhaltsangabe
Cody und Belinda leben scheinbar den amerikanischen Traum: Sie haben ein Häuschen in einem schicken Vorort, Geld und zwei Kinder. Dass Cody Afroamerikaner ist und Belinda Weiße, bildet nichts weiter als eine Fußnote im Leben einer Bilderbuchfamilie - bis ein alter Klassenkamerad bei den beiden einzieht und eine ganz andere Geschichte erzählt.
zitty-Kritik
Die Moral von der Geschicht’ ist so negativ wie realitätstüchtig: Die Wahrheit zu sagen schadet eher, zumal, wenn es sich bei ihr nur um die vage Erinnerung an ein Ereignis handelt, das aus der wahrlich nicht objektiven Perspektive eines der Beteiligten erzählt wird. Der Erzähler Man quartiert sich bei seinen Highschool-Freunden Belinda, damals Cheerleader, und Cody, damals die Schul-Sportkanone, ein.Vordergründig dreht es sich in diesem Dreieinhalb-Personen-Stück des Erfolgsautoren Neil LaBute um rassistische Grundmuster in unserer Gesellschaft. Er bürstet sie ein wenig gegen den Strich: Cody, der Mann mit schwarzer Hautfarbe, ist sowohl auf sexuellem wie auf finanziellem Gebiet erfolgreicher als Man, der Weiße. Glücklich macht ihn das aber auch nicht. Vielmehr scheint er ein echtes Ekel zu sein, das allerdings seine gesellschaftliche Trumpfkarte, die der rassistischen Benachteiligung, clever auszuspielen weiß.
LaBute hat mit diesen Figuren einen reizvollen Parcours angelegt, den Regisseur Brian Bell auch gekonnt auf die Bühne transportiert. Wer ein guter Mensch ist und wer ein weniger guter, weiß in diesem Szenario, das aus dem Koordinatensystem der political Correctness herausgerutscht ist, keiner zu sagen. Zur moralischen Unschärfe trägt bei, dass sich Erzähler Man als wenig glaubwürdiger Chronist erweist. Was ist wahr und was ist gerecht?, sind die zentralen Fragen dieses Abends. Sie würden noch mehr in den Bann ziehen, wenn die geschickte Realitätsverwischung, die LaBute vorschlägt, sich auch in der Inszenierung selbst niedergeschlagen hätte. Formal bleibt Regisseur Bell leider an den Klischeebildern so aufgesetzt fröhlicher wie innen tieftrauriger Mitglieder des amerikanischen Mittelstands hängen.
23.-25., 27. + 28.8., 20 Uhr, English Theatre Berlin. Regie: Brian Bell, mit David Cassel, Chloe Lewer, Louis DeVaghn Nelson, Sarah-Jane St. Clair. Eintritt 18, erm. 10 Euro
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