Kriminalhörspiel: Tod im Schönheitslabor
Dieser Text handelt von Brüsten, solch schönen wie sie der Herr auf dem Bild rechts unten mit seinem Handy abfotografiert. Ein Werbebild für eine Creme, man kennt ähnliche Motive aus der Kosmetikreklame, vielleicht haben Sie das Bild als Anzeige schon in der zitty gesehen. Ein neues Gel namens „Boobsbooster“ verspricht erschlaffenden Brüsten neue Festigkeit, ganz ohne Silikon-OP.
Der Herr auf dem Foto heißt Florian Goldberg. Er ist kein Spanner sondern Germanist und Philosoph. Und er schreibt Hörspiele. Gemeinsam mit seiner Kollegin Heike Tauch hat er sich nun ein Stück ausgedacht, dass das gute alte Dampfradio mit dem Internet und einer Interaktion mit dem Publikum verzahnt. Das Stichwort dazu heißt Augmented Reality, die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung: Ein Bild muss heutzutage nicht einfach nur ein Bild sein, mitunter enthält es ein digitales Mehr. Dazu genügen leider nicht allein die Augen, man muss ein Hilfsmittel zwischenschalten. Und deshalb hält Goldberg hier sein iPhone vors Plakat. Mithilfe einer App könnten auch Sie auf digitale Spurensuche gehen, gleich hier rechts auf diesem Bild.
Das Ganze hat natürlich eine Vorgeschichte und die geht so: „Wir haben einen Artikel über eine amerikanische Kosmetikerin gelesen“, erzählt Goldbeck. „Die Dame verkaufte eine wirkungslose Creme, indem sie auf die Idee kam, die Orangenhaut, für die es vorher noch keinen Namen gab, Cellulite zu nennen. Damit hat sie eine Scheinerkrankung erfunden, die der Kosmetikindustrie seitdem Milliarden einbringt.“ Davon angeregt haben Goldberg und Heike Tauch ebenfalls ein Phänomen erfunden, es aber nicht meistbietend an einen Pharmakonzern verkauft sondern als Kriminalhörspiel ans Deutschlandradio Kultur.
„Progressive Mammomorphie“ verbrämt weibliche Brustalterung wissenschaftlich und dient nur einem Zweck: Dem Verkauf des vermeintlichen Busenwundergels aus den Schönheitslabors des Kosmetikkonzerns HBSC. „Tatsächlich fielen selbst Ärzte, die wir testweise befragten, auf den erfundenen Begriff rein und sagten, jaja, davon habe ich neulich etwas gelesen“, erzählt Goldberg lachend. Im aufwändig produzierten Krimihörspiel „Gefallene Schönheit“ untersuchen die bekannten Schauspieler Judith Engel und Bernhard Schütz als Kommissare die Umstände, unter denen die HBSC-Marketingchefin, ein ehemaliges Model, von ihrer Dachterrasse in den Tod gestürzt ist. „Die Hinweise sind allen ständig vor der Nase, aber verschlüsselt, in der erweiterten Realität“, erklärt Co-Autorin Tauch, „man muss sie lesen können. Darin zeigt sich auch ein Generationskonflikt.“
Das innovative Augmented-Reality-Hörspiel hat noch vor der Ursendung seine Premiere im WAU. Mittels der App „PMM13“ aus dem App Store (entwickelt vom Wegdesignbüro frukti.de) kann man sich mit auf die digitale Spurensuche begeben. Denn nichts ist, wie es scheint. Auch unser Foto hier verdeckt bei aller Blöße noch einiges.
„Gefallene Schönheit“, 30.7., 20.30 Uhr, Wau im HAU2, Hallesches Ufer 32. Eintritt frei. Ursendung: 30.7., 21.33 Uhr, Deutschlandradio Kultur.
www.boobsbooster.de
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